Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Zweites Kapitel.

Und ich werde dir den ganzen Blumenhandel noch legen, fuhr dieſe fort.Meiner einzigen Tochter was nachſagen zu laſſen, das ſollte mir fehlen! Ja, ja, wer hat es mir nur geſagt? Katha⸗ rine, nimm dich in Acht! Ich glaube wenn ich mich nicht ganz irre es hieß, der nichtsnutzige Sohn der verwittweten Staats⸗ räthin Stillfried ſtreiche den ganzen Vormittag um deine Körbe herum.

So iſt's, Mutter, ſagte der Fuhrmann,der liederliche Herr Eugen, der iſt's! Und daß an der Sache was Wahres iſt, könnt Ihr deutlich an Eurer Jungfer Tochter abnehmen. Hat ſie nicht vorhin gethan, als wenn ſie mich freſſen wollte, und jetzt iſt ſie mäuschenſtill geworden?.

Das Mädchen warf den Kopf trotzig in die Höhe und ließ auf den Bruder einen Blick unbeſchreiblicher Verachtung blitzen. Dann ſagte ſie:Es iſt freilich am beſten, wenn man deine dummen Re⸗ den unbeantwortet läßt; ich will mich auch gar nicht darum kümmern. Sag was du willſt, und wenn dir die Mutter am Ende wie ge⸗ wöhnlich glaubt, ſo kann ich auch nichts dagegen haben. Ich werde doch thun und laſſen, was mir gefällt, denn ich bin kein Kind mehr und weiß ſchon, was ich zu thun habe. Damit wandte ſie ſich vom Tiſche weg und ging wieder ins Nebenzimmer, deſſen Thüre ſie ebenſo heftig, als ſie ſie geöffnet, wieder hinter ſich zuſchlug. 2

Seht Ihr, wie ſie trotzig iſt, obgleich ſie mir nichts Rechtes zu antworten weiß! ſagte der Bruder;ja laßt der nur allen Willen, und Ihr werdet genug Freude au ihr erleben!

Madame Schoppelmann gab keine Antwort, ſondern ging an den Herd, nahm von dort die große Kaffeekanne und ſetzte ſie auf den Tiſch; dann langte ſie vom Kamingeſims einige Taſſen her⸗ unter, die ſie daneben ſtellte, nahm aus einem Wandſchrank einen Teller, worauf ein friſches Stück Butter in einem Kohlblatte ein⸗ gewickelt lag, und ſtellte das nebſt einem großen Stück Brod

99