Eine ſchöne Tochter iſt ſchwer zu hüten. 27
men, und die glühende Röthe ihrer Wangen wich einer augenblicklichen Bläſſe, die, auf der hohen Stirn aufangend, ſich mit Blitzesſchnellig⸗ keit bis auf die heftig athmende Bruſt fortſetzte.
„Nun, Katharine,“ wiederholte die Mutter,„was will er da⸗ mit ſagen? Leg' ihm ſeine böſen Reden 44
„Sie wird ſie mir nicht legen!“ ſprach triumphirend der Bruder und trommelte mit ſeinem Meſſer auf den Tiſch.„Siehſt du, Kätherle, es iſt beſſer, wenn du nicht ſo herausfordernd thuſt!“
„Und was willſt du damit ſagen?“ rief die Mutter und ſtützte beide Arme auf den Tiſch;„was ſoll das heißen?“
„Ja, das möchte ich auch wiſſen,“ ſagte Katharina,„was und wen er damit gemeint hat!“
„Was und wen?“ lachte der Fuhrmann.„Was? den Blumen⸗ handel, und wen? einen gewiſſen Herrn Eugen; die Jungfer Katharine kennt ihn ſchon.“
„Du kennſt ihn ſchon?“ ſagte die Mutter und blickte die Toch⸗ ter bedenklich an.
Doch Katharina lachte ſtatt aller Antwort laut hinaus, und es gelaug ihr, recht unbefangen zu lachen.„Eugen! Eugen!“ ſprach ſie alsdann;„nun ja, das iſt möglich, daß einer von den vielen Herren, die von meinen Blumen kaufen, Engen heißt, auch daß er vielleicht oft kommt, ſich Sträuße zu holen.“
„So oft,“ rief der Bruder dazwiſchen,„daß die ganze Stadt davon ſpricht. 4
„Ei, Katharine,“ bemerkte die Mutter ſehr ernſt,„da fällt mir auch etwas ein, was man mir neulich geſagt— ich weiß nicht mehr recht, welche von den Weibern es war— ja, ja, die ſagte mir wahhraftig etwas Aehnliches. Nimm dich in Acht, Katharine, vor dem Gerede der Leute und vor deiner Mutter! Jetzt komme ich auf einmal wieder klar auf die ganze Geſchichte; ja, ja, es iſt ſchon was Wahres daran, was der Fritz ſagt.“
„Nicht wahr, Mutter?“


