Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Eine ſchöne Tochter iſt ſchwer zu hüten. 25

ſonſt wäreſt du nicht mit deinen bösartigen Redensarten losgegan⸗ gen, darauf könnte man ſchwören. Aber jetzt rathe ich dir im Guten, Fritz, ſage gerade heraus und unumwunden, worauf du vorhin angeſpielt; denn ich bin doch wahrhaftig neugierig, endlich einmal zu erfahren, was ich für einen Lebenswandel führe!

Das möchte ich auch wiſſen! ſetzte die Mutter hinzu. Und das ſagte ſie mit einer außerordentlich kräftigen und entſchloſſenen Stimme, und näherte ſich in ihrer ganzen breiten Geſtalt, beide Arme in die Seite geſtemmt, ebenfalls dem Tiſche.

Laß mich in Frieden! ſagte barſch der Fuhrmann;von Lebenswandel habe ich auch gar nicht geſprochen.

Wovon denn? fragte heftig Katharina und beugte den Kopf ſo herab, daß ihre großen, dunkeln Augen wenige Zoll von den grauen, unſteten ihres Bruders entfernt waren und ihn feſt zu ban⸗ nen ſchienen. Er fuhr zurück und lehnte ſich dann in ſeinen Stuhl, wobei er ein außerordentlich luſtiges Lachen erheuchelte, indem er hoffte, ſich ſo aus der Affaire zu ziehen.

Doch waren die beiden Damen nicht geſonnen, ihn dieſes Mal ohne gründliche Beichte entwiſchen zu laſſen. Katharina, welche dieſer beſtändigen Sticheleien hinter ihrem Rücken müde war, wußte ganz genau, um was es ſich eigentlich handle, und war überzeugt, wenn der Bruder auch wirklich etwas vorbringen würde, daß ſie doch im Stande ſei, ſich vor der Mutter herauszureden und da⸗ mit den ewigen Neckereien ein plötzliches und raſches Ende zu machen.

Der Bruder aber brach, durch die lange Weigerung, ſeine An⸗ klage vorzubringen, dieſer ſelbſt die Spitze ab, und die Mutter mußte natürlicher Weiſe denken, wenn er wirklich etwas wüßte, ſo würde er ſich nicht ſo lange ſperren, damit heraus zu rücken. Und doch bedurfte es noch mancher außerordentlich heftigen Aufforderung von Seiten der Schweſter, ſowie eines nicht ganz gelinden Schla⸗ ges der Mutter auf den Tiſch, um den einigermaßen eingeſchüchterten