Zweites Kapitel.
„Da hätte man viel zu ſagen!“ gab der Bruder achſelzuckend zur Antwort;„ich weiß nichts und will nichts wiſſen!“
„Was willſt du nicht wiſſen und was weißt du?“ fragte haſtig Katharina. 3
Der Bruder aber dachte, daß es beſſer ſei, vor der Hand den beiden Frauenzimmern gegenüber an einen klugen Rückzug zu den⸗ ken, und verſuchte dieſen zu bewerkſtelligen, indem er ſagte:„Nun, ich will mich gerade in nichts Genaueres einlaſſen;. das ſollte mir fehlen!“
„Sprich gerade heraus!“ entgegnete das Mädchen,„ſag', was du willſt und was du weißt!“— Darauf riß ſie eifrig an dem Schnürriemen und zog dann ihren Ueberrock zuſammen, um dem Bruder auch in ihrem Aeußeren gerüſteter entgegen treten zu können.
„Laß mich in Frieden!“ ſagte dieſer.„Nun ja, wenn man den ganzen Tag gereizt wird und es nur über uns beide hergehen ſoll, das kann man ſich auch nicht immer gefallen, laſſen und das wollen wir auch nicht. Und daß dagegen die Katharine Euer Schooßkind iſt, das weiß die ganze Welt, und daß ſie thun nnd treiben kann, was ſie will, das weiß wieder die ganze Welt. Aber warte nur!“
„Und worauf ſoll ſie warten? du böſes Maul!“ entgegnete Madame Schoppelmann und rührte langſam in dem, Kaffee, den ſie vorhin aufgegoſſen. 3
Das Mädchen aber, kräftig und feſt wie ein Mann und dabei geſchmeidig wie ein Aal, näherte ſich mit größter Lebhaftigkeit dem Tiſche, an dem der Bruder ſaß, legte ihre volle, aber feine Hand auf denſelben, beugte den Oberkörper vor und ſah ihm feſt in die Augen.„Es iſt das ſchon öfter vorgekommen, daß du und dein Bruder den Verſuch machten, der Mutter allerlei Spinnen in den
Kopf zu ſetzen, und immer hinter meinem Rücken. Auch heute haſt
du wohl gedacht, die Katharine iſt noch lange nicht bei der Hand,


