Bekanntſchaft einer würdigen Mutter. 23
gefunden worden wären—— aber das Mädel.... das kann machen, was es will!“ 3
„Was ſollen die nichtsnutzigen Reden?“ entgegnete die Frau und ſtemmte ihre beiden Hände, die ſie jetzt frei hatte, in die Sei⸗ ten.„Was thut das Mädel, was nicht vor Gott und mir zu ver⸗ antworten wäre? he? du Strick!“
„Nun, was wird ſie thun!“ lachte der Fuhrmann; gewöhnlich thut ſie nichts, das iſts ja eben, und wenn ſie einmal was thut, ſo wäre es auch beſſer, ſie ließe es bleiben!“
Zweites Kapitel.
Indem Madame Schoppelmann ihren Kaffee bereitet, erfabren wir aus fortgeſetzten Geſprä⸗ chen während dieſes Geſchäfts, daß eine ſchöne Tochter ſchwer zu hüten iſt.
Kaum hatte der Bruder dieſe Worte geſprochen, ſo flog die Thüre, die ins Nebenzimmer führte, heftiger auf, als nothwendig geweſen wäre, und das Mädchen, von dem oben die Rede, ließ ſich auf der Schwelle ſehen. Sie war mit ihrer Morgentotllette beſchäf⸗ tigt und angenſcheinlich nur durch den Angriff des Bruders d dazu vermocht worden, ſo in das Vorzimwer herauszukommen; eben im Begriffe geweſen, in einen hellfarbenen kattunenen Ueberrock zu ſchlüpfen, ſchnürte ſie zu dieſem Zwecke eiligſt ihr Mieder zuſammen. Ihr dichtes ſchwarzes Haar war in zwei faſt unförmlichen Flechten um den Kopf herumgewunden und wurde oben durch ein rothes Tuch feſtgehalten, das ſie, gewiß ohne es zu wo len, maleriſch und kokett darüber hingeſchlungen. Ibr Auge blitzte, ihre etwas ſtarken, aber friſchrothen Lippen waren leicht geöffnet, nnd ſie wiederholte haſtig die Frage der Mutter.


