Erſtes Kapitel.
oder Hausgeräthe, das ſie gerade in der Hand hatte, derb auf die Köpfe.
Madame Schoppelmann hatte aber auch eine Tochter, und Alles, was der ganzen übrigen Familie an Schönheit und Liebreiz mangelte, ſchien auf dieſe vereinigt zu ſein. Es gab kein ſchöneres,
blühenderes Bild der friſcheſten Geſundheit, wie dieſes Mädchen. Von der Mutter hatte ſie den feſten, runden Körperbau, dazu etwas Schnippiges, ja Trotziges geerbt; von dem ſeligen⸗Herrn Schoppel⸗ mann dagegen ein weiches Gemüth, kohlſchwarze, dichte Haare, blitzende Augen und einen ſehr guten Humor.
Katharina, ſo hieß das Mädchen, war der Glanzpunkt des ganzen Marktes, und einen Strauß von ihrer Hand zu bekommen, war bei den jungen Herren der Stadt gewiſſermaßen zur Mode geworden. Die Mutter hatte ſich ſchon oft darüber geärgert, daß ſich die junge Männerwelt ſo auffallend um ihre Körbe herum trieb, und hätte den Grund hiezu, den Blumenhandel, ſchon längſt gern aufgegeben, wenn derſelbe nicht ſo außerordentlich viel Geld abgeworfen hätte. Auch war es bei dem allerdings angeſtrengten Tagewerk ihrer Tochter deren einzige Erholung, die verſchiedenartig⸗ ſten Blumen kunſtreich zu Sträußen zu binden, und Madame Schoppelmann geſtand ſich mit Stolz, daß kein Gärtner ein ſo gut zuſammengeſetztes Bouquet anzufertigen im Stande ſei, wie ihre Katharina. 2
Es war alſo noch ſehr früh am Morgen; das Holz auf dem Herde praſſelte, der Waſſerkeſſel ſummte, und Madame Schoppel⸗ mann vervollkommnete dies zu einem Terzet, indem ſie eine gewal⸗ tige Kaffeemühle handhabte und den Schwengel derſelben raſſelnd herumdrehte. Nahe beim Eingange ſaß der älteſte Sohn, Fritz, der Fuhrmann; er hatte beide Arme auf den Tiſch geſtemmt und ließ das Haupt darauf ruhen. Er war vollſtändig angezogen, und ſeine ſchweren Schuhe und Leder⸗Gamaſchen, ſowie das dunkel⸗ braune Wamms, dicht mit Staub bedeckt, zeigten deutlich an, daß


