18 Erſtes Kapitel.
meinen Kohl und Erbſen verkaufte, ſondern der man es bei großen Diners und anderen Feſtlichkeiten getroſt überlaſſen konnte, Frucht⸗
pyramiden und Blumenkörbe nach eigenem Geſchmack und Sinn
aufzuſtellen. Madame Schoppelmann war eine wirkliche geheime Räthin in allen adeligen Küchen und denen vornehmer Bürger⸗ häuſer. Letztere überließen ihr nicht ſelten die Beſchaffung einer
ganzen Gaſterei, d. h. was die Urſtoffe aus allen Reichen der
Natur anbelangte; denn ſie gab ſich nicht blos mit Gemüſen und Blumen ab— dies waren eigentlich nur Nebengeſchäfte— ſondern ihre Hauptſtärke beſtand in dem Auffinden der beſten Quellen für Wildpret aller Art, für die feinſten Geflügel, für Fiſche und Krebſe. Wehe dem Koch, der ſich mit ihr verfeindete! Wehe dem Ehemanne, der behauptete, eine Schüſſel Krebſe, die ſie geliefert, beſtehe für die Jahreszeit aus zu kleinen Individuen! Der Name der Madame Schoppelmann, die ſolche beſorgt, machte ihn verſtummen, ſchlug ihn vollkommen darnieder.
Das Haus und den Hof, von dem wir vorhin ſprachen, hatte ſie gekanft, und war hier auf ihrem Grund und Boden abſolute Herrſcherin. Wenn es ſchon an ſich, wie wir vorhin bemerkten, ſehr unangenehm war, mit Madame Schoppelman in einen Streit zu gerathen, ſo wäre es doch für jeden Sterblichen weit gefahrloſer geweſen, eine Löwin in ihrer Höhle anzugreifen, als dieſe würdige Frau in ihrer Wohnung. Die beherzteſten Straßenjungen, die
es nicht unterließen, hie und da ihre ſchmalen Bauen höhniſch
aufzublaſen, wenn ſie bei der dicken Frau auf dem Markte vorbei⸗ gingen, ſchlichen muthlos bei dieſem Hofe vorüber, und keiner unter ihnen hat es je gewagt, die Ferkel, die kleinen Hunde oder das Geflügel durch einen geſchickt angebrachten Steinwurf zu be⸗
unruhigen. Es ging unter der Knabenwelt die Sage von entſetz⸗
kichen und unheimlichen Kellern und Löchern im Hintergebände dieſes Hofes, und man erzählte, Frau Schoppelmann habe eines
Tages einem kleinen Buben, der ihr einen Apfel wegſtipitzt und


