Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Bekanntſchaft einer würdigen Mutter. 17

hier aus und ein, und namentlich legten die kleinen Ferkel hier eine außerordentlich liebenswürdige Unge zwungenheit an den Tag. Obgleich es, wie ſchon geſagt, Sommer und draußen ſehr heiß war, ſo brannte doch in dieſem Gewölbe in einem mächtigen alten Steinkamine ein hell loderndes Feuer, über welchem an einer ſtar⸗ ken rußigen Kette ein Waſſerkeſſel hing, deſſen Inhalt dampfte und ziſchte. Neben dieſem Keſſel ſaß auf einem breiten hölzernen Stuhle eine Frau, die ſowohl als Herrin des eben beſchriebenen Hofes, wie der geneigte Leſer ſpäter erfahren wird, als auch in anderer Beziehung unſere Aufmerkſamkeit ſehr verdient.

Dieſe Frau war von der Natur mit einer ſolch wahrhaft er⸗ ſchreckenden Körperfülle bedacht, daß unbefangene Perſonen, die ſie zufällig ſahen, erſtaunt ſtehen blieben und ſich gegenſeitig verwun⸗ dert fragten, ob hier Wahrheit oder Täuſchung ſei. Daß aber Letzteres nicht der Fall war, ſah man auf den zweiten unbefangenen Blick, denn die Frau trug ihre Körperfülle mit einer gar zu ſicht⸗ baren Anſtrengung. Da ſie obendrein nicht ſehr groß war, ſo fiel ihre rieſenhafte Taille um ſo mehr in die Augen, Hierzu paßte der kurze, dicke Hals und das runde, vom Wetter ſtark gebräunte

1 Geſicht.

Die Frau war hoch in den Vierzigen und hatte trotz ihrer gewaltigen Dicke im Aeußeren nichts Unangenehmes, das heißt in ruhigen Momenten. Sobald ſie aber heftig wurde und das kam zum Schrecken ihres Arztes zuweilen vor ſo ſtemmte ſie ihre beiden dicken Arme in die Seiten und blies die Naſenlöcher ungebührlich auf; ihr ſonſt bräunlicher Teint ſpielte alsdann ins Bläulichrothe, und ihre gewöhnlich ſchwerfälligen Bewegungen hat⸗ ten in ſolchen Augenblicken etwas entſetzlich Behendes.

Dieſe Frau war Madame Schoppelmann, erſte Obſt⸗ und Gemüſehändlerin der Reſidenz, das Factotum ſämmtlicher Köchin⸗ nen und Köche guter Häuſer, eine Dame, die nicht blos ge⸗

Hackländers Werke. X. 2*