Bekanntſchaft einer würdigen Mutter. 11
ſchreien, zanken; dazwiſchen ſchnauben und wiehern Pferde, Hunde bellen, Enten und Gänſe in ihren Körben laſſen ſeltſame Klage⸗ töne vernehmen, und um all' dieſe hunderterlei Gegenſtände und Geſtalten, die in großen Haufen daliegen oder eilig durch einander ſchlüpfen und emſig hin und her eilen, ſtehen die alten, ernſten Häuſer mit ihren hohen, zackigen Giebeln, mit ihren zierlichen Erkern, und ſchauen verwundert in das wirre Treiben der Maſſen da unten.
Es iſt wie ein anderer Hexen⸗Sabath, und wie ein ſolcher beginnt es auch aus einander zu ſtieben mit dem erſten Hahnen⸗ ſchrei. Sobald der Himmel anfängt, im Oſten heller zu werden, ſobald die friſchere, kältere Morgenluft den herannahenden Tag verkündigt, nnd ſobald die Sterne droben am Himmel erbleichen, erlöſchen auch die Lichter in den Wirthshäuſern und Läden; nach und nach und erſtirbt das Leben auf dem weiten Marktplatze. Nach allen Richtungen hin verläuft ſich die Menge, die hier be⸗ ſchäftigt war, wie ein ſchmutziges, rauſchendes Gewäſſer, das den Platz vorhin bedeckte, nun allmälig verſchwindet, und darauf tritt hervor das ganze Terrain, welches er bis jetzt bedeckte, mit ſeinen Höhen und Tiefen. Und dieſe Höhen ſtehen wohlgeordnet
da und zeigen ſich dem Auge als ſchön aufgeſtellte Gemüſehaufen, ₰
und die Tiefen und Gaſſen dazwiſchen hat man reinlich gekehrt, und wie es nun immer heller und heller wird, und die graue Morgendämmerung in das helle, glänzende Licht eines friſchen Sommertages übergeht und deutlich zeigt die vielen glänzenden Farben der tauſenderlei Gegenſtände, die hier ausgeſtellt ſind: ſo verſchwindet ebenſo ſchnell das Unheimliche des Nachtgemäl⸗ des, und ein anderes, ſchönes, freundliches, angenehmes Bild zeigt ſich dem Auge des Beſchauenden..
Aber es iſt noch ſehr früh am Tage. Nur hie und da öffnet ſich langſam eine Hausthüre, und ein ſchläfriges Dienſtmädchen tritt heraus, das Morgenwaſſer für die Haushaltung zu holen.


