10 Erſtes Kapitel.
und dadurch zu niedrige oder zu hohe Preiſe zu erlangen. Das geringe Volk der Marktknechte, der Ablader treibt ſich unterdeſſen draußen umher und hilft die Sachen, die herangebracht werden, von den Wagen herunter nehmen und in zierlichen, dem Auge wohlgefälligen Haufen auf dem rein gefegten Pflaſter des Marktes ordnen.
Aber auch andere Geſtalten winden ſich durch das Gewühl und halten ſich fern von dem Scheine des Lichtes oder von dem unſicheren Glanze, der von den Epaulettes oder dem Säbel eines Polizei⸗Beamten ausgeht. Das ſind Spitzbuben und Diebe durch alle möglichen Rangklaſſen und Grade hindurch, von armen, hung⸗ rigen Schelmen angefangen, die ſich glücklich ſchätzen, wenn ſie ein Stück Fleiſch, ein Dutzend Kartoffeln, ein Kohlhaupt oder der⸗ gleichen erbeuten können, bis zu den Vornehmeren ihres Geſchlechtes, die es auf die Taſche ihres Nebenmannes abgeſehen haben, oder bis zu jenen hinauf, die dem etwas angetrunkenen Bauer bereit⸗ willig in eine Nebengaſſe folgen, und welchen es auf einige Fauſt⸗ ſchläge oder gar Meſſerſtiche nicht ankommt, um ſich in den Beſitz einer wohlgefüllten Geldkatze zu ſetzen. Auch ähnliche Praktikanten des ſchwächeren Geſchlechtes treiben hier ihr heimliches, ſcheues Weſen und ſind geſucht und gemieden, wie es eben kommt. Ihnen iſt jede Beute recht, und wenn ſie keinen rechtmäßigen Erwerb finden, begnügen ſie ſich mit einem unrechtmäßigen, und die ſchlecht⸗ bekleideten, elenden hohläugigen Geſtalten nehmen mit, was in ihren Bereich kommt, und ſchleppen es davon in ihren weiten Rock⸗ taſchen oder unter ihren nachläſſig umgeworfenen, langen, ſchmutzigen Halstüchern.
So wogt und wimmelt Alles durch einander in der Däm⸗ merung einer verſchwindenden Sommernacht, und je wärmer und angenehmer die Luft iſt, und je klarer und freundlicher der Mond oder die funkelnden Sterne herabblicken, um ſo unheimlicher erſcheint dieſes nächtliche Getreibe. Auf Augenblicke herrſcht wirkliche Stille da unten, dann aber vernimmt man Menſchenſtimmen, die rufen,
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