Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

-

.

Bekanntſchaft einer würdigen Mutter. 9

ſanft fortſchläft, bis das Stillhalten des Karrens auf dem Markt⸗ platze ihn abermals aufweckt.

Dazwiſchen wandeln Fußgänger, Männer, Weiber und Kinder, mit Tragkörben auf dem Rücken oder anderen, kleineren auf dem Kopfe und den Schultern, und bringen ebenfalls ihre Erzeugniſſe zum Verkaufe in die Stadt, das, was ſie im Laufe des geſtrigen Tages mühſam angefertigt oder geſammelt. Sie ſchleppen ein ganzes Stück Wald mit herein an Blüthen und Früchten Blumen in großen, weithin duftenden Büſcheln, Wald⸗ und Erdbeeren, friſchen Waldmeiſter und was ſonſt die Natur im Augenblicke Freundliches bietet. Andere bringen harziges Holz von Tannen und Föhren zum Anzünden der Feuer oder kleine Beſen und Stroh⸗ matten faſt Alles ihrer Hände Arbeit.

Der Markt ſelbſt bietet nun ein eigenthümliches Bild. Aus den Läden und Wirthshänſern rings umher dringt der Gl. anz der Lichter und beſcheint die Menge, welche vor dieſen Lokalen hin und her wogt. Es iſt ein wildes Durcheinander von dunkeln, unkenntlichen Geſtalten auf dem weiten Platze, und obgleich Jeder beim Aufſtellen ſeiner Waare ſo wenig Geräuſch wie möglich macht und leiſe lispelt und flüſtert, ſo machen doch alle dieſe Klänge und Töne zuſammen ein hörbares Brauſen und Murmeln aus, das man in den angrenzenden Straßen vernimmt und welches auch gewiß manchen leichten Schlummer in den anſtoßenden Häuſern ſtört.

In den Wirthsſtuben geht es unterdeſſen luſtig genug zu. Die Fuhrleute, ſowie die Knechte großen Bauern, die noch ein beſchwerliches Tagewerk und die Heimfahrt vor ſich haben, ſuchen ſchon ſo viel wie möglich die durchwachte Nacht mittelſt ziemlicher Quantitäten Wein und Branntwein aus ihren Gliedern zu vertreiben.

Die Spekulanten, denen alle Mittel gelten, um die herbeigeführten

Waaren billig einzuhandeln, ſetzen ſich mit den Bauetn ſelbſt oder deren Bevollmächtigten hinter der Flaſche feſt, und beide Theile

laſſen gern etwas darauf gehen, um ſich gegenſeitig zu benebeln 6

1