Erſtes Kapitel.
Plätſchern ſämmtlicher Röhrbrunnen der Stadt und der Fontainen auf öffentlichen Plätzen, bemerkt man auf einmal, wenn man ſich zufällig gewiſſen Stadttheilen nähert, eine ſeltſame Geſchäftigkeit, die hier mitten in der Nacht ihr lebhaftes Weſen treibt. Von den Thoren heran durch die breiten Straßen, welche auf den Marktplatz führen, rollen ſchwerfällige Karren, mit einem oder mehreren Pferden beſpannt und angefüllt mit allem dem, was die hungrige Stadt am nächſten Tage zu verſchlingen gedenkt. Ungeheure Quantitäten Gemüſe, Fleiſch, Butter— Eier nicht zu zählen— Obſt, wie es gerade die Jahreszeit mit ſich bringt; das
alles wankt hochgeladen auf dieſen ächzenden Karren durch die ſtille
Stadt und wird in der Nähe des Marktes abgeladen, wo jetzt ſogleich ein reges, bewegtes Leben anfängt. Hier ſind alle Wirths⸗
häuſer und kleinen Läden geöffnet; eine geſchäftige Menge
unkenntlicher faſt geſpenſtiger Weſen treibt ſich umher, die ankom⸗ menden Sachen in Empfang zu nehmen, oder um beim Abladen und Verhandeln derſelben zu helfen und ſo etwas zu gewinnen.
Da ſind Verkäufer und Aufkäufer, die ganze Ladungen übernehmen, um ſie in kleineren Partien wieder an Andere zu verkaufen, von welchen ſie erſt das Publikum erhält. So vertheuert ſich die Waare nach und nach, und das Ei und das Gemüſe, welches ſo harmlos und ſehr wohlfeil zum Thore hereinkam, hat ſchon mehreren hung⸗
rigen Spekulanten dienen müſſen und iſt wohl auf das Doppelte
des urſprünglichen Preiſes geſtiegen, ehe es in die rechte Küche gelangt.
Da kommen ſie an in langen dunkeln Reihen, die vielen, vielen Wagen, und die Pferde ſchleichen langſam dahin, wohl aus Müdigkeit oder in der Abſicht, die Schläfer ringsum nicht zu erwecken, zu denen ja auch der eigene Fuhrmann zu rechnen iſt, der auf der Gabel ſitzt und, nachdem er am Thore die Zoll⸗ Viſitation glücklich beſtanden, nun wieder ruhig einnickt und


