Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Lied des Nachtwächters, das Rollen eines fernen Wagens oder das

Erſtes Kapitel.

Der geneigte Leſer ſieht alte Dinge vielleicht auf eine neue Art. Er macht bei Tagesanbruch

die Bekanntſchaft einer würdigen Mutter und wohnt einem Zwiegeſpräch bei, welches dieſelbe mit ihrem Sohne hält.

Wenn man in einer großen Stadt lebt und ſpät in der Nacht oder, noch beſſer, früh gegen Morgen von einer durchſchwärmten oirée, einem lange dauernden Souper oder einem ermüdenden halle träge und matt nach Hauſe ſchleicht, ſo bemerkt man, daß jetzt, wo ſich faſt Alles zur Ruhe begeben hat, ein eigenthüm⸗ liches, ſonderbar ſchattenhaftes Getreibe hie und da beginnt.

Tiefe, ſchlummerverkündende Stille liegt auf den finſteren Straßen,

die Gaslaternen flackern unmuthig, als wollten ſie ſagen, ſie hätten jetzt des Leuchtens für heute Nacht genng.

In ſolchen ſehr ſpäten oder ſehr frühen Stunden, wo der einſam nach Hauſe Wandelnde einem andern ebenſo einſamen Wanderer gern aus dem Wege geht denn iſt Dieſer ein Freund und Bekannter, ſo iſt man zu träg, um noch mit ihm zu ſprechen, iſt er aber ein Fremder, ſo braucht er nicht zu wiſſen, daß man erſt bei anbrechendem Morgen heimkehrt in ſolchen Stunden, wo man in den meiſten Straßen nichts vernimmt, als das eintönige