210
„Und wird ſie uns nicht ſchaden?“
„Gewiß, wenn ſie hinreichend Zeit dazu hätte.“
„Wie ſoll ich das verſtehen?“
„O ganz einfach, wie ich es ſage, die Kaiſerin iſt dick, alt und immer kränklich. Dazu verlangt ihr Ehr⸗ geiz nach einem Leibeserben. Das Alter drängt ſie langſam nach der Grube; die Beleibtheit hilft nach, die Sehnſucht nach Kindern verzehrt den letzten Reſt von Geſundheit und die Pillen der Aerzte machen ſie krank. Die gute Schwägerin Anna wird daher gerade noch Zeit haben, uns die Mörder ihres Gemahls zu ſchelten und mit göttlichen Strafgerichten zu bedrohen; es wird ihr aber an Muße fehlen, einen vernünftigen Plan gegen uns auszuführen oder einen Bankert unterzuſchieben.“
„Aufrichtig geſprochen, hieltet Ihr die Kaiſerin ei⸗ ner ſolchen That wirklich für fähig?“
„Als Urheberin nein.“
„Aber als Mitſchuldige?“
„Kaum, ich kann mir aber ein Drittes denken und dies iſt es, worauf, wie ich glaube, der alte Khleſl hin⸗ aus wollte; die Kaiſerin würde ſich in dieſem Falle leicht betrügen laſſen. Was der Menſch will, hofft und glaubt er; die Kaiſerin will Kinder, wie weit iſt von dieſem Wunſche zur Hoffnung und von der Hoff⸗ nung zum Glauben?“
„Dies Alles muß aber jetzt aus ſein, da der


