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Charlotte Ackermann : ein Hamburger Theater-Roman aus dem vorigen Jahrhundert / von Otto Müller
Entstehung
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Nähe weilt, ſobald ſie ſich in ihrem Gemüthe wieder ſicher und ge⸗ rettet fühlt! Laſſe nur um Gotteswillen die Stürme, die jetzt noch ihr Herz durchbeben, ruhig vorüberziehen, und du wirſt's erleben, daß ihr Genius mächtiger iſt als ihr Schmerz, daß er, aber auch nur er allein dieſen überwindet und ſie der Kunſt zurückgibt.

Hier wurde ſie durch ein Klopfen an die Thüre unterbrochen; es war Herr Kreyenpeter, der bleich und athemlos den Geſchwiſtern die Schreckensbotſchaft überbrachte, daß Charlotte ſoeben zu Fuße von Wandsbeck eingetroffen ſei, jedoch in einem ſo elenden Zuſtand, daß Alles zu beſorgen wäre. Man habe ſie ſogleich zu Bette gebracht und nach Aerzten geſchickt, Madame Ackermann verlange ſchleunigſt nach dem Sohne und Dorotheen.

Großer Gott! Wenn wir ſchon beim letzten Akte angekommen wären! rief Schröder, den dieſe Nachricht völlig aus der Faſſung brachte.

Eilt zu Doctor Unzer, lieber Kreyenpeter, ſagte die beſonnene Dorothea; ſucht ihn ſo lange, bis Ihr ihn findet, er iſt gewöhnlich um dieſe Zeit in der Gegend des Jungfernſtiegs ſchnell, ſchnell er ſoll kommen ach meine Lotte meine ſüße arme Lotte was iſt dir geſchehen?

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Aus ihrem Munde hat es Niemand erfahren; doch wiſſen wir nach dem, was ſich Tags zuvor in Wandsbeck begab, daß es Mehr war, als ihr Herz ertragen konnte.

Ulrikens Erzählung hatte es gebrochen, dieſes junge, ſo viel geprüfte Herz; was ſie retten ſollte, die Wahrheit nämlich, die volle ganze Erkenntniß ihres ſchrecklichen Irrthums, das wurde für ſie zum Dolchſtoß Odoardo's; denn das Licht, welches die Gräfin in Syl⸗ burg's Vergangenheit warf, zündete zugleich die Fackel zu Charlot⸗ tens Grabe an.

Niemand im Schloſſe ahnte ihre heimliche Entfernung; erſt als ſie nach mehren Stunden noch immer nicht von ihrem gewöhnlichen Morgenſpaziergang im Parke zurückkehrte, ſchöpfte man Verdacht und

durchſuchte nun vergebens die ganze Umgebung. Was ſie angetrie⸗

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