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Kindern ſchuldig, ihnen die Kenntniß einer ſolchen traurigen Herzens⸗ verirrung zu erſparen.
Letzterer Bemerkung wußte das zärtlich beſorgte Mutterherz der Geheimeräthin keinen Einwand entgegenzuſetzen; die Gräfin aber er⸗ klärte ſich ſofort bereit, Charlotten zu ſich in ihr Haus nach Hamburg und unter ihre unmittelbare Aufſicht zu nehmen.
Indem man ſie heilen wollte, hat man ſie erſt recht krank ge⸗ macht, ſagte die kluge Frau. Ihre Mutter, ihr Bruder, ihre Schwe⸗ ſter mögen treffliche Menſchen ſein, allein dieſem Herzen iſt ihre Liebe nicht gewachſen. Nicht die verirrte Tochter, ſondern das kranke, an ſeiner innerſten Poeſie kranke Gemüth muß bei Lotten geheilt wer⸗ den; gebt der armen, in ihrem Lenze dahinwelkenden Blume den rech⸗ ten Boden und den rechten Sonnenſchein, und ſie wird bald wieder friſch und fröhlich ihr Haupt erheben,— ſo Gott will, mein Werk und meine Freude!
Der Freiherr, nachdem er ſich noch an dieſem Abend bei dem Wirthe perſönlich die Gewißheit verſchafft hatte, daß wirklich der fremde Gaſt der Haideſchenke jenen Brief geſchrieben habe, den ſpäter der jüngſte Knabe des Wirthes an die junge fremde Dame im Schloſſe heimlich hatte überbringen müſſen, war dadurch gewiß nicht von dem Argwohn geheilt worden, daß Charlotte nicht nur fortwährend ein ge⸗ heimes Liebesverſtändniß mit dem Baron unterhalten, ſondern auch die Gräfin offenbar belogen habe, als ſie dieſer betheuerte, Nichts von der Anweſenheit Sylburg's im Haidekrug gewußt zu haben. Hatte doch der Baron ſelbſt dem Juſtizbeamten eingeſtanden, daß er um eines beabſichtigten Rendezvous willen hier ſei; ein Mißverſtändniß oder ein ungerechtfertigter Argwohn war alſo kaum mehr denkbar, und ſo hielt es denn der Freiherr für eine Pflicht gegen ſich ſelbſt, wie gegen die Familie der ſo übelberathenen jungen Künſtlerin, ſeinem Freunde Schröder den ganzen Vorfall ſchriftlich mitzutheilen, wobei er aus ſehr naben Gründen ein entſchiedenes Gewicht auf Charlottens Läug⸗


