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Charlotte Ackermann : ein Hamburger Theater-Roman aus dem vorigen Jahrhundert / von Otto Müller
Entstehung
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Schreckbild ihrer aufgeregten Fantaſie war, welches jetzt dieſe Täu⸗ ſchung in ihr bewirkte.

Es war faſt ſchon dunkel geworden, als Ulrike mit ihrer Erzählung zu Ende kam; durch die Baumwipfel ſilberte der Mond, das Plät⸗ ſchern der Brunnen und Fontainen unterbrach allein die feierliche Stille des Abends; Charlotte lehnte mit geſchloſſenen Augen an der Gräfin Bruſt, die ihren Arm um ſie geſchlungen hatte und ihr nun Zeit ließ, ſich von dem Eindruck des Gehörten zu erholen, feſt über⸗ zeugt, daß der Moment gekommen ſei, welcher ihr Herz für immer von der Liebe zu dem entlarvten Verräther heilen werde.

Als aber jetzt Charlotte, wie aus ſchwerem Traume erwachend, ſich aufrichtete, mechaniſch mit der Hand über die Stirne fuhr, und dabei die Gräfin mit einem ſtarren fremden Blicke anſah, erſchrak dieſe heftig über die Bläſſe und den verſtörten Ausdruck ihrer Züge, wie wenn ein weißes Marmorantlitz ſie aus todten Augen anſchaue, die das Mondlicht geiſterhaft beſtrahlte.

Ich danke Ihnen wir wollen nach Hauſe gehen mich friert, war Alles, was Charlotte endlich hervorbringen konnte, wobei ſie ſich von der Bank erhob und ſich ſchauernd in ihren Shawl wickelte.

Nehmen Sie die Unglücksgeſchichte meiner erſten Liebe als einen Warnungsruf Ihres guten Engels, liebe Charlotte, ſagte Ulrike, die zu fürchten anfing, daß ſie dem Gemüth der Freundin durch ihre Er⸗ zählung doch eine allzugroße Laſt aufgebürdet habe. Für uns Beide iſt es ein Glück, daß wir uns gefunden haben; für mich, indem ich mich endlich einmal ſo recht von Herzen ausſprechen konnte; für Sie, in⸗ dem mein Schickſal Sie warnt, vor dem Baron auf der Hut zu ſein. Sie ſollen auch ſpäter noch die Briefe leſen, mit denen der Verrä⸗ ther mir die Liebe meines Arthurs noch in deſſen Sterbeſtunde zu rauben ſuchte, Briefe voll ſo teufliſcher Bosheit, daß ich ſie nur dem furchtbaren Gifte vergleichen möchte, welches langſam aber ſicher mordet! Wollen Sie die Briefe morgen haben, liebe Charlotte? Wer weiß, welchen Dienſt ſie Ihnen noch einmal leiſten!

Mir? ſtotterte dieſe, von einem Fieberſchauer durchſchüttelt, mir leiſten dieſe Briefe keinen Dienſt mehr! Genug, daß ich meinen ſchreck⸗