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Charlotte Ackermann : ein Hamburger Theater-Roman aus dem vorigen Jahrhundert / von Otto Müller
Entstehung
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Gott ſchützte ſie künftig noch vor ähnlichen ſchreckensvollen Täuſchungen,

wenn eine ſolche Liebe nicht wenigſtens in ſich die Berechtigung fand,

die ihr Welt und Verhängniß verſagten? Das war die dunkle Stunde in ihrem jungen Leben, als ihr unter dem Blinken des Abendſternes, der wie mit tauſend feinen Dolchſpitzen ihr Herz durchſchnitt, nicht nur der Glaube an den Geliebten, ſondern auch der Glaube an die Liebe ſelbſt geraubt wurde. Seinen Verluſt, ſeinen grauſamen Verrath hatte ſie ertragen können, denn ihr blieb ja noch noch die Poeſie ihres Schmerzes und ihrer Erhebung aus unverdientem Schickſal; während jetzt das häßliche, von Sünde und Lüge entſtellte Bild, wie es ihr die Gräfin von Sylburg entwarf, die Liebe ſelbſt in ihrer erſten und letzten Grundbedingung vernichtete, indem ſie ihr Herz einer Ver⸗ irrung überführte, die von Anbeginn an nicht ihn, ſondern ſie verurtheilte, um des erſten unſeligen Selbſtbetrugs willen, den dieſes Herz an ſich ſelber verübt hatte. Sie konnte nicht mehr ihr Schick⸗ ſal, nicht mehr den treuloſen Geliebten, ſie konnte nur ſich ſelber an⸗ klagen, daß ſie mit ſehenden Augen, noch dazu von allen Seiten gewarnt, blind in ihr Unglück hineingerannt ſei, und in welches Un⸗ glück! Einen Menſchen zu lieben, der faſt nur ihr allein in ihrer ganzen Umgebung ohne Falſch und Tadel erſchienen war, während Alle ſonſt ſich von ihm zurückzogen und Etwas an ihm entdeck⸗ ten, das ihnen Scheu und Mißtrauen gegen ihn einflößten. Und nun war es ihr mit Einmal klar, welches dunkle und doch ſo richtige Gefühl ihre Freunde und Angehörige geleitet hatte, als ſie dem Ba⸗ ron mißtrauten, als ſie ihn ſogar fürchteten, und dieſes Liebesverhält⸗ niß für ein Räthſel erklärten.

Furchtbar tagte es in der Seele der armen Charlotte, und jetzt glaubte auch ſie ſich zu erinnern, wie manchmal ſie in Sylburg's Nähe ein Gefühl der Unheimlichkeit beſchlichen habe, als wenn ihr in einem Blicke, ſeinem Weſen etwas Fremdes, etwas wofür ſie keinen Namen zu finden gewußt hatte, aufgefallen ſei, ſo daß ſie ein gehei⸗ mer Schauder anwandelte, ſo oft ihr das Gewaltſame und Aufge⸗ regte in ſeinem ganzen Weſen auffiel. Ja, es kam ihr nun ſogar vor, als ſei es eigentlich blos dieſe dunkle unerklärliche Angſt ihres Gemüthes geweſen, was ſie an ihn gefeſſelt, was ihm dieſe Gewalt über ihr Herz verſchafft habe, während es doch im Grunde nur das