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nimmt, und im Stillen eine Schwärmerei belächelt, die höchſtens nur Werth für ihn hat, weil ſie uns blind und widerſtandlos unter ſeinen Willen beugt. Er braucht uns kaum noch zu bethören, da uns ja das eigne übervolle Herz dieſen grauſamen Dienſt erzeigt,— und in einem ſolchen Falle befand ich mich in Ihren Jahren, liebe Lotte, dem Baron Sylburg gegenüber, wie Sie nun erfahren ſollen.
Sie zog bei dieſen Worten die Freundin auf eine Bank in der Niſche des Laubganges, und hier war es denn, wo Charlotte zum Erſtenmal volle glaubhafte Aufklärung über Sylburg's Charakter und vergangenes Leben erhielt, und zwar von einer Frau, die er noch in ungleich ſchrecklicherer Weiſe verrathen und angefeindet hatte, als ſie ſelbſt.— O Himmel, wie tagte es da furchtbar in der jungen Seele! Wie gewann da mit Einmal ihr eignes Unglück noch in ſei⸗ nem letzten Nachhall eine ſo grauenvolle Bedeutung! Wie wurde ſie erſt jetzt von der Schändlichkeit und Herzloſigkeit des Mannes über⸗ zeugt, in dem ſie ſo lange das Ideal eines vollkommenen Menſchen erblickt, in deſſen Hand ſo lange ihr Glück und ihre Ehre geruht hatte!— Ihm, dem Nichts heilig und ehrwürdig war, ihm hatte ſie ahnungslos das köſtlichſte Gut ihrer Jugend, ihre Unſchuld, anver⸗ traut; hatte ſeinen Liebesſchwüren geglaubt, hatte, von ſeinen Armen umſchlungen, von ſeinen Küſſen betäubt, die Schauer jener Selig⸗ keit empfunden, die das Herz nur erträgt, weil es ſie nicht zu faſſen vermag, und jetzt— welcher entſetzensvolle Blick in den Abgrund der ſchwärzeſten Menſchenſeele that ſich plötzlich vor ihr auf!— Was waren alle Anklagen, alle Warnungen, womit einſt Mutter, Bruder, Schweſter, Freunde, und zuletzt ſelbſt die allgemeine Stimme des Publikums ſie aus ihrer unſeligen Verblendung zu reißen geſucht hat⸗ ten, ja, was war ſelbſt Sylburg's eigne Verrätherei und Grauſam⸗ keit, womit er ihre treue Liebe vergalt, gegen das Bild der Unnatur
und vollendeten Bosheit, wie es ihr jetzt Ulrike von dem Manne ent⸗
warf, von dem doch die Gräfin ſelber geſtand, er habe ihr einſt ſogar noch mehr Liebe und Vertrauen eingeflößt, wie jetzt Haß und Verach⸗ tung!— Nicht die Furcht vor ihm, nicht der Abſcheu vor einem ſolchen Charakter, wohl aber das Grauen vor dem eignen Herzen war es, was Charlotten in innerſter Seele erbeben machte. Denn welche Wahr⸗ heit gab es nach ſolchem Irrthum überhaupt noch für ſie?— Welcher


