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Charlotte Ackermann : ein Hamburger Theater-Roman aus dem vorigen Jahrhundert / von Otto Müller
Entstehung
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und beſchimpft hat? Nein, nein, ich bin mit ihm zu Ende er flößt mir das nämliche Grauen ein wie Ihnen ich habe Nichts mehr mit ihm zu ſchaffen, weder offen noch geheim das ſchwöre ich Ihnen bei Allem, Frau Gräfin, was Ihnen und mir heilig iſt!

Aber was hat der Baron in dieſem Falle hier zu ſuchen? fragte Ulrike nach einer Pauſe und ſah dabei die Freundin mit einem Blicke an, der ebenſo vielen Kummer als Zweifel an ihrer Betheue⸗ rung ausdrückte.

Kann ich ihm verbieten, mich zu verfolgen, mich zu quälen? rief die junge Künſtlerin und brach vor Schmerz über dieſen unge⸗ rechten Verdacht in Thränen aus. Das iſt ja eben der Fluch meiner Verirrung, daß jeder Schritt, den dieſer Unbeſonnene thut, nicht ihn, ſondern mich verdammt, da nur mich allein das Auge des Arg⸗ wohns bewacht! 3

Sagen Sie: das Auge der Liebe, armes Kind, entgegnete die Gräfin ſanft, obwohl noch lange nicht von Charlottens Unſchuld überzeugt, da ihr bereits Herr von Schimmelmann die Geſchichte mit dem Bettlerknaben aus der Haideſchenke mitgetheilt und dadurch auch in ihrem Herzen den Verdacht geweckt hatte, daß Sylburg noch immer ein geheimes Einverſtändniß mit ihr unterhalte.

Liebe? rief Charlotte, im Bewußtſein ihrer Unſchuld, mit großer Bitterkeit. Nein, gnädige Frau, das nenne ich keine Liebe, die ein tiefgekränktes Herz durch beſtändigen Argwohn zu Tod martert und ihm ſelbſt ſeine aufrichtige Reue noch zur Pein macht! Zu Hauſe, wo man mich von jeher verkannt hat, wußte ich's freilich nicht beſſer, und duldete gerne, was ich nicht ändern konnte, was ich zum Theil ſelbſt verſchuldet hatte; aber hier wo ich nichts verbrochen, nichts Unrechts gethan habe wo ich ſogar noch heute Morgen die beſten Vorſätze faßte, hier iſt mir ein ſolcher Argwohn gradezu unerträg⸗ lich, und ich kehre lieber noch heute nach Hamburg zurück, als daß ich mich von Leuten verkannt ſehen will, die mich ſo lange liebevoll behandelt haben.

Charlotte gerieth bei dieſem Gedanken in eine ſo heftige Auf⸗ regung, daß Ulrike ihre ganze Beredſamkeit aufbieten mußte, um ſie wieder zu beruhigen. Nachdem ihr dies einigermaßen gelungen war⸗ ſagte ſie: