worauf der Freiherr, dem ſein böſer Argwohn fortwährend die ge⸗ heime Correſpondenz Charlottens mit dem Major in's Gedächtniß zurückrief, die Gelegenheit wahrnahm, ſich in ſein Arbeitskabinet zu begeben, um, wie er der Gräfin bemerkte, vor Allem das Geſchäft abzumachen, dem er diesmal das Vergnügen ihres Beſuches verdanke. Ich denke, fügte er mit einem flüchtigen Blick auf Charlotten hinzu, daß wir die Sache endlich zu Ihrer vollen Zufriedenheit geordnet ſehen werden; ich habe als Ihr pünktlicher Sachwalter die Akten zu Ihrer Einſicht bereit gelegt, ſobald es Ihnen daher gefällig iſt, mich in meiner Stube aufzuſuchen, ſtehe ich zu Ihren Dienſten.
Ulrike verſtand ſogleich den Wink, ſeufzte:„Ach, dieſer abſcheu⸗ liche Prozeß!“ und verſprach dem Geheimerath, ihn in einer Stunde unter ſeinen Aktenſtößen aufzuſuchen.
Der Baron hatte unterdeſſen in ſeiner Haideſchenke wie auf einem verlorenen Poſten dem Erfolg ſeines Briefes mit wachſender Ungeduld entgegengeſehen, und Stunde auf Stunde war verſtrichen, ohne daß er von Charlotten eine Rückantwort oder ſonſt ein Lebzei⸗ chen erhielt. Er wußte, daß der Brief ſicher in ihre Hand gelangt ſei, und ſeine Lage war allerdings verzweifelt genug, um ihn nicht mit tauſend peinigenden Zweifeln über den Ausgang ſeines letzten Rettungsverſuches zu erfüllen. Bald war er gewiß, daß ſie ihn er⸗ hören und ihm das erbetene Rendezvous im nahen Gehölze bewilligen werde; er hatte Himmel und Erde aufgeboten, um ſie von ſeiner Reue, ſeiner glühenden Liebe zu überzeugen; und doch verzweifelte er wieder, wenn er bedachte, wie ſehr er dieſes edle unſchuldige Herz früher getäuſcht und in frevlem Spiele ſeinen ſchönſten Glauben zer⸗ ſtört hatte. Wenn Charlotte nicht mehr als verblendet war, ſo mußte ein einziger Blick in die Vergangenheit ſie vor ihm warnen, und in dieſem Falle war ſein Ruin unausbleiblich. Nur ihr unbeſtrittener Beſitz konnte ihn vor Anklagen ſchützen, die ſein ferneres Verbleiben im Dienſte zu einer Sache der Unmöglichkeit machten. Und wer
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