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Charlotte Ackermann : ein Hamburger Theater-Roman aus dem vorigen Jahrhundert / von Otto Müller
Entstehung
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Aus dieſen zum Theil mit lebhaften und ſelbſt drohenden Ge⸗ ſtikulationen begleiteten Redeſätzen wird es dem Leſer klar ſein, was den Freiherrn ſo ſehr in Harniſch gebracht hatte und weßhalb er den

Anblick Charlottens am heutigen Morgen abſichtlich vermied. Vom Treib⸗

hauſe aus, wo er ſeine ausländiſchen Vögel fütterte, hatte er näm⸗ lich ungeſehen beobachten können, wie ein fremder Bettlerknabe ihr einen Brief zuwarf, den ſie aufhob und nach kurzem Beſinnen zu ſich ſteckte. Da er den Baron in der nächſten Nachbarſchaft wußte, ſo war es nun kein bloßer Verdacht mehr, ſondern ausgemachte Sache bei ihm, daß Charlotte von der Anweſenheit des gefährlichen Men⸗ ſchen bereits Kenntniß gehabt und vielleicht gar, ſo flüſterte ihm ſein Argwohn zu, nur um deßwillen den frühen Spaziergang in den Park unternommen habe, um daſelbſt den erwarteten Brief in Empfang zu nehmen.

Selten hatte ein Fall den beſonnenen, an Menſchen⸗ und Le⸗ benskenntniß ſo reichen Mann dergeſtalt aus der Faſſung gebracht wie dieſer; und wenig fehlte, der erfahrene Weltmann und gewandte Diplomat wäre an ſeiner ganzen Lebensphiloſophie irre geworden.

Wie manche Intrigue habe ich ſchon durchſchaut, wie manchen feinen Heuchler entlarvt, ſprach er unmuthsvoll; und nun ſollte die⸗ ſer offenkundige Böſewicht, dieſer Sylburg, mich in meinem beſten

Rechte, in der Beſchützung der Unſchuld ungeſtraft angreifen dürfen?

Nimmermehr, und wenn ſelbſt das unbeſonnene Mädchen ihm hierzu hülfreich die Hand böte! Bei Gott! Dieſe Charlotte iſt ſchlimmer berathen als ich dachte! Wußte ſie ſich nicht ſo unſchuldig, ſo reue⸗ voll anzuſtellen, daß ich völlig von ihrer Beſſerung überzeugt war, und nun geht die alte Wirthſchaft von Neuem los! Hölle und

Teufel, Mademoiſelle, ſo haben wir nicht gewettet! Aber nur Geduld,

ich will Ihr Beſchützer ſein wider Ihren Willen, ja wider Ihr eignes undankbares Herz! Wenn nur erſt die Gräfin da wäre! Sie allein kann hier helfen, denn ſie hat die Beweiſe von der bodenloſen Schlech⸗ tigkeit dieſes Menſchen in Händen, jene Briefe, womit er ſie einſt bei dem eignen Gemahl zu verleumden ſuchte. Ja, Ulrike mag dieſer verlieb⸗ ten Schwärmerin ein Licht anzünden, davor ihr alle überſpannte Mondſchein⸗Romantik für immer erbleichen ſoll! Ich aber will, bis ſie kommt, dafür ſorgen, das Wandsbecker Gebiet, ſo weit meine

D. B. II. Müller's Charl. Ackermann. 28