— 25—
Kopf gedrängt, eben ſo auf der Gallerie; das Orcheſter mußte noch kurz vor der Vorſtellung ausgeräumt werden, um dem noch immer fortdauernden Andrang der Schauluſtigen zu genügen; es war ein unbeſchreibliches Gedränge, während in den Logen die Elité der Hamburger Geſellſchaft, als gälte es eine beſondere Feſtlichkeit, in ihrem höchſten Putze ſaß, ein ſtrahlender Verein von Reichthum, Schönheit und Luxus. 4
Das Trauerſpiel„die Gunſt des Fürſten“ iſt ein aus drei bis vier engliſchen Dramen eines und deſſelben Inhalts glücklich und effektvoll zuſammengeſetztes Bühnenſtück im beſſeren Geſchmack dama⸗
liger Zeit. Zwar die Handlung iſt häufig noch ſehr weitſchweifig
und der Dialog leidet hier und da an einer ermüdeten Monotonie; aber ſowohl in der Scenirung wie in der Charakteriſtik der Haupt⸗ perſonen zeigt ſich ſchon ein bedeutender Fortſchritt zum Beſſern, und die Wirkung, beſonders in den beiden letzten Akten, iſt eine echt dra⸗ matiſche zu nennen. Das Stück gehört jedenfalls zu denjenigen In⸗ kunabeln der dramatiſchen Poeſie, welche ſchon den Wendepunkt in der Kunſt andeuten, wo zwar das Sinnliche im Bühneneffekt noch vorherrſcht, andererſeits aber auch ſchon die tieferen Geheimniſſe der dramatiſchen Kunſt, insbeſondere eine richtige Anwendung des Ef⸗ fektes und eine ſichere Steigerung der Leidenſchaften, zum Vorſchein kommen. Dabei iſt es mit großer Bühnenkenntniß angelegt und beſeitigt glücklich die ſteifen Geſetze und Formen einer mehr und mehr zu Ende gehenden falſchen und hausbackenen Geſchmacksrichtung. Das Sujet behandelt den aus der Hof⸗ und Herzensgeſchichte der Königin Eliſabeth genugſam bekannten Untergang des Grafen Eſſex, des allmächtigen Günſtlings der Königin. Den Kabalen ſeiner Feinde gelingt es endlich, den von Ehrgeiz und Herrſchſucht Verblendeten zu verleumden, und die Entdeckung ſeiner geheimen Ehe mit der ſchönen Rutland, dem Hoffräulein der Königin, vollendet ſeinen Untergang: Eſſex ſtirbt als Opfer einer doppelten Eiferſucht auf dem Schaffot, nachdem er zuvor ſeinen Freund Southampton, der mit in ſein Schickſal verwickelt iſt, durch den für ihn verhängnißvollen Ring
gerettet hat, welchen ihm einſt Eliſabeth ſchenkte, damit ſie ihm bei
Vorzeigung deſſelben nie einen Wunſch abſchlagen könne. Die ſchöne Rutland erliegt bei der Nachricht von ſeinem Tode dem


