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4.
Das Hamburger Theater, in welchem unter Schröder's Direktion die dramatiſche Kunſt Deutſchlands ihre höchſten Triumphe feierte, war ein nach dem Geſchmack und Bedürfniß damaliger Zeit zwar nicht prächtiges, aber doch zweckmäßig eingerichtetes und hinlänglich ausgedehntes Gebäude. Auf der Oſtſeite des Gänſemarktes gelegen, führten von dieſem Platze aus zwei ſchmale Gänge in den ſogenann⸗ ten Opernhof und zu dem eigentlichen Muſentempel, was deſſen Aeußerm eben nicht zum Vortheil gereichte. Denn die Geſtalt, welche dieſe beiden Höfe, die zugleich zu Ein⸗ und Ausfahrten dienten, mit ihren kleinen ſchmutzigen Wohnhütten dem Ganzen gaben, bewirkte,
daß man das Gebäude eher für eine große herrſchaftliche Amtsſcheune,
als für einen der Kunſt geheiligten Tempel halten mochte. An den beiden Ecken der Fronte ſtanden außerdem zwei hölzerne Buden, in welchen die Einlaßkarten verkauft wurden. Dem Aeußern entſprach denn auch die innere bauliche Einrichtung, und die Zugänge und Treppen, welche durch den Haupteingang zu den Logen und Sitz⸗ plätzen führten, waren eben ſo enge als unbequem angelegt. Das innere Haus beſtand außer der Bühne in einem Parterre, zwei Lo⸗ genreihen und einer Gallerie. Zu beiden Seiten des acht Fuß brei⸗ ten Orcheſters erhoben ſich zwei Portale, deren jedes zwei Theater⸗ logen in ſich ſchloß. Hinter dem Orcheſter befand ſich ein freier Raum zum Stehen, worauf die Sitze in neun ſtufenartig angebrachten Bänken folgten. Die Logen hatten ſtarke Vorbuchten, ſo daß nur die Vornſitzenden mit den Blicken die ganze Bühne beherrſchen konnten. Die Beleuchtung wurde durch Spiegellampen bewirkt, welche zwiſchen den einzelnen Logen aufgehängt waren. Den Pla⸗ fond zierten die Büſten von Sophokles, Euripides und Plautus, auf dem Vorhang war die Freiheit, unter einem Baldachin ſitzend,
abgebildet; ſie ertheilte der Tragödie und Komödie ihren Schutz. In dieſen Räumen nun, welche bei. vollem Hauſe gegen drei⸗
zehnhundert Zuſchauer faßten, fand ſich am erwähnten Abende ein
Publikum zuſammen, wie es in ſolcher Anzahl nur bei außerordent⸗ lichen Gelegenheiten geſehen wurde. Im Parterre ſtand Kopf an


