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Charlotte Ackermann : ein Hamburger Theater-Roman aus dem vorigen Jahrhundert / von Otto Müller
Entstehung
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das an ſich ſo unſchuldige Abenteuer der jüngern Ackermann in allen Kreiſen der Hamburger Geſellſchaft hervorrief, erklärt ſich aber auch die Beſtürzung, womit Schröder und die Mutter die Nachricht da⸗ von aufnahmen. Die einzige Dorothea blieb unbewegt von dieſem des Hauſes guten Ruf und Reputation bedrohenden Ereigniß; mit der ihr eignen ſchönen Sicherheit des Gefühls nahm ſie ſich der Schweſter an; und wenn es ihr auch nicht gelang, das gänzlich muthloſe und niedergeſchlagene Mädchen zu beruhigen, ſo glückte es ihr doch, Bruder und Mutter zu bewegen, Charlotten nicht weiter zuzuſetzen, wodurch dieſe am Ende gar ſich außer Stand fühlen werde, am heutigen Abend die Bühne zu betreten.

Als man bei Tiſche ſaß, kam Schröder's Caſſier und meldete dem Prinzipal, daß alle Logenbillette vergriffen wären. Das durch die erſte Aufführung am vorigen Sonntag ſchnell berühmt gewordene Trauerſpiel:die Gunſt der Fürſten, ſollte heute wiederholt werden;

man habe ſich faſt an den Kaſſen um Billetts geſchlagen, berichtete der Caſſier, und ſchon dränge ſich die ſchauluſtige Menge in den

Opernhof. Charlotte erblaßte; der Löffel entſank ihrer Hand, ein Thränenſtrom entſtürzte ihren Augen und in leidenſchaftlicher Auf⸗

regung vom Stuhle aufſpringend, rief ſie:

Da habt Ihr's nun! Ich ſoll Künſtlerin ſein und Ihr wollt mir nicht erlauben, menſchlich zu fühlen! Aber mein Entſchluß iſt gefaßt: Du, Fritz, ſiehſt mich heute zum Letztenmal auf deiner

Bühne, wenn die Rutland mir nicht doppelt und dreifach einbringt,

was du mir genommen haſt, meinen Frieden und mein gutes Be⸗ wußtſein! Das ſchwöre ich dir, ſo wahr ich in dieſem Augenblick elender bin als du mir's jemals noch empfinden kannſt! Geh', geh', Grauſamer! rief ſie abwehrend, als der Bruder, erſchüttert durch ihren leidenden Anblick, ſie in die Arme nehmen und beruhigen wollte; noch kann ich dir nicht verzeihen; aber heute Abend nach der Vor⸗ ſtellung.will ich dir ſagen, ob ich dir dein Betragen gegen mich vergeben darf, vergeben kann!

Raſch eilte ſie nach dieſen Worten aus dem Zimmer und hörte nicht mehr, wie Schröder ihr betroffen nachrief: Charlotte! Liebe Schweſter, wie kannſt du mich ſo mißverſtehen! G

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