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im Weinkeller vor vielen Zeugen feierlich erklärt, er werde dieſes Mädchen niemals wieder mit einem Federſtrich beleidigen.
Schröder, den letztere Bemerkung faſt noch mehr zu erbittern als zu überzeugen ſchien, wollte der Schweſter erwidern) als das Hausmädchen kam und den Doctor Unzer meldete.
Gott ſei Dank! ſagte Dorothea freier aufathmend, während die Mutter ſie verwundert anblickte und ihr Bruder betroffen fragte: Was will der Freund ſo frühe? Iſt Jemand krank im Hauſe?
Schon trat der junge Hausarzt in's Zimmer, eine gewinnende Perſönlichkeit und von jener feinen Haltung im Benehmen, die auf den erſten Blick den Mann von Stellung und geiſtigen Fähigkeiten
bekundete. Sein blaſſes Geſicht mit dem ſcharfen Profil und den
lebhaften dunklen Augen, die eben ſo viel Güte des Herzens als hellen Verſtand ausdrückten, zeigte deutliche Spuren des anſtrengen⸗ den Berufes und anhaltender Studien, ein Eindruck, der noch da⸗ durch erhöht wurde, daß Unzer bei einem ſchlanken Wuchs den Ober⸗ körper nachläſſig vorgebeugt trug, was ihm zuweilen eine gewiſſe äußere Schwerfälligkeit verlieh, die mit ſeiner jugendlichen und ge⸗ wandten Geſtalt im Widerſpruch ſtand.
Du kommſt ja wie gerufen, ſagte Schröder, dem Eintretenden entgegengehend, der die Damen wie ein Hausfreund, welcher ſich jederzeit willkommen weiß, grüßte und ſich dann mit leichtem Humor,
hinter dem ſich jedoch eine wirkliche Sorge nur halb verbarg, mit
der haſtigen Anrede zum Freund wandte:
Nun ja, wie gerufen, wenn auch ungerufen! Aber ich ſah es ſchon beim dritten Morgenbeſuch ein, daß ich heute mit dem Kreyen⸗ kamp den Anfang machen müſſe, wenn ich überhaupt mit meinen Krankenviſiten vor Sonnenuntergang fertig werden wolle. Ich als Euer Hausarzt muß doch zuerſt wiſſen was vorgeht, ſo denken alle vernünftigen Leute in meiner Praxis und fragen mich, beſtürmen mich, ich ſolle ihnen erklären, auseinanderſetzen, erzählen, was ſich bei Ackermann's zugetragen, wie Charlotte an den Kugelsort gekom⸗ men, zu der Portugieſin Fanny, zur Leichenſchau, zum Kinde— zur Stockelhörnin ſogar? Nun, beſte Mama, warum ſehen Sie mich ſo betroffen an und erſchrecken gar? Und Sie, Dorothea— ſo be⸗ wegt— mein Gott, was iſt geſchehen?


