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Charlotte Ackermann : ein Hamburger Theater-Roman aus dem vorigen Jahrhundert / von Otto Müller
Entstehung
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daß man, wenigſtens nach dem Begriffe jener Zeit, hier ſchwerlich die Wohnung einer Schauſpielerfamilie hätte vermuthen ſollen.

Und doch war es ſo; denn das Haus, in welches wir den Leſer eingeführt haben, hatte ſein Erbauer, der vor drei Jahren verſtorbene Direktor des Hamburger Theaters, Konrad Ernſt Ackermann, kaum ein halbes Jahr bewohnt, als ihn ein plötzlicher Tod aus dem Kreiſe ſeiner geliebten Familie und eines thätigen ſchickſalsreichen Künſtler⸗ lebens abrief. Seitdem bewohnte es die verwittwete Madame Acker⸗ mann mit ihren beiden Töchtern und dem Sohne aus erſter Ehe, Friedrich Ludwig Schröder, welcher gegenwärtig in Verbindung mit der Mutter die Direktion auf eigene Rechnung fortführte und mit des trefflichen Stiefvaters Beruf auch deſſen geachtete bürgerliche Stellung geerbt hatte.

Dieſes vorausgeſchickt, nehmen wir den Faden unſerer Erzäh⸗

lung wieder auf, und befinden uns am folgenden Morgen nach jener Scene im Hauſe der Stockelhörnin, in der geräumigen Wohnſtube der Frau Ackermann, wo ſich gewöhnlich die kleine Familie beim Frühſtück zu einer ruhigen und gemüthlichen Stunde zuſammenzu⸗ finden pflegte, ehe des Tages vielfache Pflichten, Sorgen und Zer⸗ ſtreuungen, wie ſie der Künſtlerberuf in Verbindung mit einer ſo großen Geſchäftsleitung mit ſich bringt, Jedes in Anſpruch nahm, ſo daß oft erſt der ſpäte Abend nach beendigter Theatervorſtellung die Geſchwiſter wieder um die Mutter vereinigte.

Heute ſchien es jedoch, als walte in dem ſonſt ſo traulichen Kreiſe nicht der unbefangene Ton der gewohnten Herzlichkeit; Char⸗ lotte war nicht anweſend, und ſowohl auf der Miene der Mutter wie auf derjenigen Dorotheens lagerte eine Wolke des Mißmuthes, während Schröder gleichfalls nicht in der beſten Morgenlaune ſein Frühſtück einnahm. Es war augenſcheinlich, daß man ein für Alle unangenehmes Geſpräch abgebrochen hatte, uhne die dadurch hervor⸗ gerufene Verſtimmung und Unbehgglichkeit eben ſo ſchnell beſeitigen zu können.

Endlich unterbrach Schröder das Schweigen und ſagte mit

einer recht bittern Betonung: Es ſcheint einmal Charlottens Schickſal zu ſein, daß ſie jede noch ſo ſchöne und löbliche Neigung ihres Herzens ſich und Andern