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Charlotte Ackermann : ein Hamburger Theater-Roman aus dem vorigen Jahrhundert / von Otto Müller
Entstehung
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leiſem kinderartigen Kichern begleiteten Komplimente und Begrüßun⸗ gen unbeachtet laſſen, wobei er die kleinen Füßchen mit den großen Stahlſchnallen und den hohen Abſätzen ſo zierlich ſpitz über einander ſetzte, als ſei er von Kindsbeinen an nur im graziöſen Sarabanda⸗ und Menuetſchritt durch's Leben geſchwebt und getänzelt. Gewöhnlich trug er eine große Schreibfeder mit langer Fahne als Zeichen ſeiner amt⸗ lichen Würde hinter dem Ohr; denn ſeine vornehmſte Charge im Hauſe, nachdem das Alter ihn zahnlos und zum Amte eines Souff⸗ leurs unfähig gemacht hatte, war unſtreitig die eines Secretarii im dienſtbefliſſenten Sinne des Wortes. Er führte nicht nur Buch über Alles was die Haushaltung anging; unter ſeiner kunſtgeübten Feden entſtanden auch alle jene mit unendlichem Fleiße mehr gemalten als geſchriebenen Rollenhefte, um welche die beiden berühmten Töchter des Hauſes jederzeit von dem übrigen Theaterperſonal beneidet wur⸗ den. Nur Liebe zur Kunſt ſelber konnte ſolche zierlichen, faſt wie.

in Kupfer geſtochenen Schriftzüge auf's Papier malen, und je beſſer

b dem emſigen und geſchickten Copiſten eine ſolche Abſchrift gelang, um 34 ſo ſicherer war er zum voraus überzeugt, daß rena der beiden Schweſtern, welche die Rolle auswendig zu lernen uͤnd darin auf⸗

zutreten hatte, am Abend der Vorſtellung jedes Wort feſt im Ge⸗

dächtniß haben und mit Ruhm vor dem Publikum beſtehen werde. Wenn Dorothea in komiſchen, Charlotte in hochtragiſchen Rollen jene Triumphe errangen, welche ihren Namen in der Geſchichte des Ham⸗ burger wie des deutſchen Theaters ſo berühmt gemacht haben, dann

hatte Herr Kreyenpeter jederzeit das ſtolze Bewußtſein, zumeiſt durch

ſeine unvergleichliche Abſchrift dieſen Erfolg bewirkt zu haben, und

1 er bildete ſich im Ernſte ein, daß nur durch ihn beide Schweſtern

dieſe künſtleriſche Vollendung erreicht hätten; er betrachtete ſich als

4 ihren verkörperten Geni⸗ und vermittelte ſie gleichſam durch ſeiner Tinte magiſche Zauberkraft mit dem Dichter, deſſen Worte und Ge⸗

danken ja durch ſeine Feder den Weg zu ihrem Innern gefunden hatten.

Dies war gewöhnlich die erſte Erſcheinung, welche dem Frem⸗

den auf der Schwelle des Ackermannſchen Hauſes begegnete, deſſen

innere Einrichtung ſeinem Aeußern vollkommen tentſprach, in welcher

ſich überall der Geiſt einer muſterhaften Ordnung und ſchönen Häus⸗

lichkeit mit edlem Geſchmack und gediegenem Wohlſtand paarte, ſo

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