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Gegenüber der großen Michaeliskirche, in der Straße, welche
noch heut zu Tage der Kreyenkamp heißt, in der Nachbarſchaft des— Krameramthofs, ſtand zu jener Zeit ein zweiſtöckiges Wohnhaus,
das ſich ebenſowohl durch ſeine anſehnliche Größe wie durch ſeinen
1 neueren Bauſtyl vor den meiſten Gebäuden der Umgebung auszeich⸗
nete. Den mit durchbrochener Schnitzarbeit verzierten Erker, welcher an der Südſeite vorſprang, ſtützten drei Karyatiden; auch die Fen⸗
ſtereinfaſſungen und Thürpfoſten waren mit ähnlichen Kranzarabesken b
woerſehen, deren weiße Farbe freundlich von dem ſteinfarbigen An⸗ ſtrich des Mauerwerks abſtach.
4 Zwei Linden zur Seite der Thüre ſchlangen ihre Zweige in kunſtvollem Geflecht in einander, und bildeten unter der Baumſcheere ſteifmodiſcher Zucht eine breite Laubwand vor den drei mittleren Fenſtern
des obern Stockwerks mit eben ſo vielen Ausſchnitten zur freieren 84 Durchſicht auf die Straße. An der ſchweren eichenen Thüre mit
blanken Metallverzierungen hing an einer meſſingenen Kette ein Hammer, von Buchsbaum künſtlich gedrechſelt; denn den heutigen Schellenzug kannte man damals noch nicht und wer Einlaß begehrte, that dies durch einen oder mehrere leichte Schläge mit dem Hammer gegen die Thüre kund. Auf dieſes Zeichen erſchien dann gewöhnlich an der Pforte des eben beſchriebenen Hauſes ein altes zierliches Männchen in einer Schneeperücke mit Hunderten von fein gekräußelten Löckchen, die zu dem rothen Geſicht und den freundlich blinzelnden Augen einen Kontraſt bildete wie 2ee ehrwürdiger Silber⸗
ſchein zur fröhlichen Knabenzeit. Das um unſer Männchen X gleich bei ſeinem rechten Namen zu nennen, Niemand anders als Herr Kreyenpeter, der ehemalige Theaterſouffleur bei der Ackermann'⸗ ſchen Truppe, jetzt aber des Hauſes treuer Schirm⸗ und Sthutz⸗ vogt, in der Straße und Nachbarſchaft faſt eben ſo gut bekannt, wie in der halben großen Stadt Hamburg. Denn Niemand, der die Schwelle des Ackermann'ſchen Hauſes überſchritt, konnte Kreyenpeter's wunderlich geſchnörkelte Kratzfüße und ſeine von


