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armen Weibe den ewigen Frieden. Für das Kind aber will ich ſorgen, und damit es nicht friere, ſo wickelt es einſtweilen in meinen warmen Shawl, bis ich das nöthige Kinderzeug herbei geſchafft habe. Ach, nicht wahr, liebe Frau Stockelhörnin, Sie behalten das arme Weſen noch ſo lange bei ſich und pflegen es treulich, bis ich ihm ein anderes Unterkommen verſchafft habe? Hier iſt Geld für ſeine Pflege, ich zahle gerne noch mehr, ſo viel Sie fordern, nur hüten Sie es mir achtſam, daß es keinen Schaden nimmt.
Die Herbergmutter griff mechaniſch zuerſt nach der Börſe, dann nach dem Kinde, wickelte es in den feinen Kaſchemir und verſprach mit ſtotternder Stimme Alles zu thun, was Mademoiſelle befehle.
Der Name Charlotte Ackermann hatte wie ein elektriſcher Funke alle Anweſenden durchzuckt, und obwohl die Meiſten kaum wiſſen mochten, wen er bezeichnete, ſo wirkte doch ſein bloßer wohlbekannter Klang ſo mächtig ſelbſt auf dieſe Menſchen der unterſten Volksklaſſe,
daß ſie darüber ſogar die rührende Seene mit dem Kinde vergaßen und mit ſtummer Ehrfurcht das Wunder von Hamburgs größter
Berühmtheit betrachteten. Wie aber jetzt Charlotte ſich anſchickte, das Haus zu verlaſſen und freundlich grüßend der Thüre zuſchritt, drängten ſich Alle mit ſtürmiſchem Eifer an ſie heran, man faßte den Saum ihres Gewandes, ihn zu küſſen, man beugte ſich vor ihr wie vor einer höhern Erſcheinung, und die eben noch im Grimme einander geflucht, ſegneten vereint den guten Engel und nannten ihn ſchluchzend: Charlotte Ackermann.
Nur mit Mühe gelang es ihr auf die Straße zu kommen. Lena trieb haſtend zur Eile;—
Schnell, ſchnell, wir haben keine Zeit zu verlieren; in einer halben Stunde beginnt die Komödie und die Garderobiere wartet gewiß im Ankleidezimmer ſchon lange mit Aengſten auf Sie.
Komödie? verſetzte Charlotte wie aus einem Traume erwachend. O Lena! Wüßten die Menſchen, wo die wahre Komödie geſpielt wird, ſie beſuchten nicht das Haus der Täuſchung und der blenden⸗ den Kunſt, um ſich von auswendig gelernten Worten erſchüttern, vom einſtudirten Spiel der Empfindungen hinreißen zu laſſen!
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