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— 454— und deſſen Gattin ließ zurückſagen, ihr Mann ſey bei dem kranken Herrn Bürger. „Krank?“ ſtammelte Göckingk, vom Sopha aufſpringend. „Sehr krank, Ew. Gnaden,“ ſagte der Beſitzer des Hotels. „Ferduſi!“ rief Stolberg, von einer ſchrecklichen Ahnung ergriffen, Auguſte brach in lautes Weinen aus, und Göckingk,
ohne ſich Zeit zu nehmen, ſeine Tochter zu nröſten, ergriff
ſeinen Hut, der Graf that ein Gleiches und Beide eilten nach Bürger's Wohnung. Als ſie in den Garten traten und nach den von der Abendſonne magiſch beleuchteten Fenſtern hinauf ſahen, erblickten ſie das Eine geöffnet.
„Das iſt ſein Schlafzimmer! 2 ſtammelte Göckingt und mußte ſich an des Freundes Arm feſthalten, um nicht um⸗ zuſinken.
Bei ihrem Eintritt in das Haus kam ihnen ein ſtarker Moſchusduft entgegen. Haſtig ſtiegen ſie die Treppe hin⸗ auf— die Thüre zur Wohnſtube war nur angelehnt, Stolberg drückte ſie leiſe auf, das Erſte, was ſie ſahen, war Junghof, der betend auf den Kuien lag, und das Haupt wider einen Stuhl gelehnt hatte. Aber noch ehe
dieſer ſie bemerkte, trat Matthiſon mit dem Garniſon⸗Me⸗
dicus Jäger aus dem andern Zimmer, ſah die Freunde und ſank mit dem Ausruf:„Ihr kommt noch eben recht!“ an Göckingk's Bruſt.
Man kann ſich denken, wie ihnen bei dieſer Nachricht zu Muthe wurde. Keiner von ihnen ſprach weiter ein Wort, ſtumm ſaßen ſie beiſammen, Jäger ging ab und zu. Die Magd brachte neue Arznei,— Junghof ſtellte ſie bei Seite. Jetzt kam Jäger und benachrichtigte die Freunde,
daß der Sterbende hinlänglich auf ihren Empfans vorbe⸗
reitet ſey.


