Druckschrift 
Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
Einzelbild herunterladen

-Q

453

tan zu verleumden, ſo daß dieſer, als endlich Ferduſit das Gedicht überreichte, ſtatt eines Goldſtücks ihm nur eine ſilberne Münze für jeden Vers geben ließ. Der ge⸗ kränkte Dichter rächte ſich durch eine bittre Satire an ſei⸗ nem ehemaligen Gönner und mußte vor dem Zorne des⸗ ſelben nach Thus fliehen, wo er in den dürftigſten Verhält⸗ niſſen viele Jahre verborgen lebte. Endlich fühlte der Sultan Reue wegen ſeiner Unbilligkeit, und da er hörte, daß Fer⸗ duſi noch lebe, ſo ſchickte er zwölf Kameele mit prächtigen Gaben nach Thus, um ihn zu verſöhnen. Als aber die Geſandten zu dem einen Thore der Stadt hineinzogen, trug man die Leiche des verbannten Dichters zum andern hinaus.

Aber nein! Das paßt auch wahrhaftig nicht hierher! rief Auguſte;denn dort dort liegt Göttingen, und wirklich ganz ſo, wie der Vater geſagt hat, in der ſchönſten Axend⸗ beleuchtung von der Welt!

Alle Drei ſahen entzückt nach der Stadt, wo Göckingk und Stolberg den Freund ihrer Jugend finden wollten.

Der Poſtillon hielt jetzt den Wagen an und der Be⸗ diente auf dem Bock fragte den Herrn Geheimen Ober⸗ finanzrath, an welchem Gaſthof angefahren werde?

Wo Du willſt, Jean! rief der glückliche Göckingk un⸗ geduldig.Nur macht, daß ich zu meinem Bürger komme!

Raſch flog der Wagen der Stadt entgegen, bald fuhr er durch das Thor ein und das wohlbekannte Pflaſter dröhnte unter ſeinen Rädern. AmKönige von England hielt er an und kaum ſahen ſich die Reiſenden auf einem Zimmer, als man auch ſchon berathſchlagte, welchen von den Freun⸗ den man rufen laſſen ſolle. Endlich ſchickte man zu Mat⸗ thiſon, aber der Diener brachte die Nachricht, er ſey bei Herrn Bürger. Man ſchickte darauf zum Doctor Junghof