Neigungen angemeſſene Thätigkeit— gebt nur Acht, wie er wieder auflebt und grün wird, der arme dürre Baum, ſobald er aus dieſer Sandwüſte fort iſt. Ah! Ich kenn' ihn! Er wird ſich anfangs gar nicht zu faſſen wiſſen, wird mich an beiden Schultern packen, mich rütteln und ſchüt⸗ teln, und dann auf einmal wird er ganz trocken werden, und höchſt kopfhängeriſch zu mir ſagen: Geh', Günther, und bind' mir keinen Bären auf. Kind! Liebes Kind! Merk' nur fein auf, was Dein Vater für einen Freund in Bür⸗ ger hat. So was ſiehſt Du lange nicht wieder, vielleicht Dein Lebtag nicht wieder,— denn Stolberg muß mir das bezeugen,— ſeit ſeinem achtzehnten Jahr ſagt Bür⸗ ger immer, ſo oft er von mir ſpricht: Meine Seele und Göckingk und wir drei.
Der Graf ſchien ſehr zerſtreut.„Da fällt mir eben eine Geſchichte ein, die eigentlich gar nicht hierher paßt,“ ſagte er nach einer Pauſe und ſah nachdenklich zum Schlag hinaus.„Denkſt Du noch an Bürger's Angſt vor Fer⸗ duſi's Schickſal?“.
Göckingk blickte ihn betroffen an und Auguſte rief:„Ach, erzählen Sie, Herr Graf, wer iſt Ferduſi? Was hat er für Schickſale?“
Stolberg ſagte:
„Es lebte einmal zu Gasne am Hofe des perſiſchen Sul⸗ tans Mahmud ein berühmter Dichter, mit Namen Iſchak Ben Sheriffſchah Ferduſi, der lange bei ſeinem Herrn in großer Gunſt ſtand. Einſtmals trug ihm dieſer auf, die Heldenthaten der alten Könige von Perſien in einem Ge⸗ dicht zu beſingen und verſprach ihm für jeden Vers ein Goldſtück. Ferduſi arbeitete viele Jahre an dieſem Helden⸗ gedicht, das er„Schahnameh“ betitelte, aber es glückte wäh⸗ rend dieſer Zeit ſeinen zahlreichen Neidern, ihn beim Sul⸗
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