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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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dieſer.Wir ſteigen zuerſt im Gaſthof ab und laſſen einen von Bürger's Freunden, etwa Matthiſon, oder Lich⸗ tenberg, oder Junghof zu uns beſcheiden. Dieſer müßte dann Bürger unter irgend einem Vorwand zu einem Spa⸗ ziergang nach irgend einem Ort außerhalb der Stadt, etwa auf die Papiermühle oder nach dem Reinhardsborn, oder nach dem Hainberg perſuadiren; wir unterdeſſen nicht faul, trommelten zuſammen, was von Freundſchaft und Bruderliebe in Göttingen für uns lebt, und ſo zögen wir dann hinaus. Der Abend iſt herrlich, und ſolch' eine Stunde des Wiederſehens muß in der freien Natur erlebt werden! Denk' Dir doch, Göckingk, wenn wir ihn nun hinter ſeinen Büchern überraſchten, in gelehrte Arbeiten vertieft, oder wohl gar im Tabaksdampf o nein! Das geht doch wahrlich nicht!

Vater, ich glaube, der Plan des Herrn Grafen iſt ſo übel nicht, ſagte Auguſte.Herr Bürger möchte am Ende gar glauben, wir wollten uns bei ihm einlogiren

Gut, ich bin Alles zufrieden, erwiederte Göckingk. Aber daß Ihr mir nur nicht mit der Thüre in's Haus fall't! Erſt wenn wir ſo recht traulich beiſammen ſitzen und warm geworden ſind, dann nehm' ich ihn am Arm, führ' ihn bei Seite und entdeck' ihm Alles. Du, Stolberg, ſagſt's unterdeſſen den Andern, und wenn ich dann mit ihm wieder in die Geſellſchaft zurückkehre, ſo muß unſer neuer Profeſſor in Halle vor lauter Jubel nicht wiſſen, ob er wache oder träume. Guter Gott! Die Stunde ſei⸗ ner Erlöſung ſchlägt ſpät, aber ſie ſchlägt doch, und der arme Bürger ſoll wenigſtens den Herbſt ſeines Lebens noch heiter und wolkenlos ſehen. Die neue Stellung in Halle iſt ganz wie gemacht für ihn, ein ſchönes Auskom⸗

men, freie Verhältniſſe nach allen Seiten und eine ſeinen 2958