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zeichnete er denſelben, ohne ihn geleſen zu haben. So geſchah es, daß ein Bericht, ganz dem Beſchluß des Miniſteriums zuwider, an den Regenten abging und obwohl das Schel⸗ menſtückchen ſpäter ruchbar geworden iſt, ſo hat doch der Herr v. L. ſeinen Zweck erreicht.“
„Das kann dem ſchönſten Mann paſſiren!“ ſagte Mat⸗ thiſon ſtand haſtig vom Stuhl auf und ging einigemal in großer Bewegung im Zimmer auf und ab.
Bürger fühlte ſich ſehr angegriffen und als endlich Jung⸗ hof kam, der ihn allabendlich zu beſuchen pflegte, fand er ihn im heftigſten Fieber. Die Freunde brachten den Kran⸗ ken zu Bette und Junghof verſchrieb Arznei.
„Wann rückſt Du endlich mit Deinem Achſelzucken her⸗ aus?“ fragte Bürger lächelnd.„Ach, armer Schelm, ich ſeh Dir's an, wie ſauer es Dir ankommt; aber es hilft Dir nichts und Du wirſt dem kranken Hamlet doch endlich
die Augen öffnen müſſen.
Pſyche trinkt und nicht vergebens!ll Plötzlich in der Fluthen Grab
Sinkt das Nachtſtück ihres Lebens, Wie ein Traumgeſicht hinab.
„Ah! Matthiſon, das haben Sie gut gemacht! Für dieſe Verſe, die mir ſeit Monden beſtändig im Sinne und auf der Zunge liegen, möcht' ich Sie einen Griff in meine Gedichte thun laſſen, welchen Sie wollten.“
Noch einmal wiederholte er dieſe Worte, die ſo ganz nur für ihn gedichtet ſchienen, ſo gedämpft und leiſe, daß ſie, wie ihr Dichter erzählt, von den Ufern des ſtillen Lethe ſelbſt in Geiſtertönen herauf zu wehen ſchienen.
Dann entſchlummerte er, und Junghof ſagte leiſe zu Matthiſon:„Heute iſt er in ſein Sterbebett geſtiegen.“
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