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Dies iſt jene denkwürdige Periode in den Annalen der deut⸗ ſchen Literaturgeſchichte, wo Bürger kaum mehr würde haben leben können, wenn er nicht den größten Theil ſeiner Zeit und den geringen Reſt ſeiner Kräfte dazu angewendet hätte, für auswärtige Buchhändler aus fremden Sprachen zu überſetzen. Der Lieblingsſänger der deutſchen Nation über⸗ ſetzte damals„Benjamin Franklin's Jugendjahre“!
Und eines Abends, nach einem unter anſtrengender Thä⸗ tigkeit verlebten Tage, fühlte er, daß er auch dieſer Arbeit nicht ferner gewachſen ſey. Der morſche Körper brach
immer mehr zuſammen, ſeine Kräfte verſiegten immer mehr.
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Er lag auf ſeinem Sopha, als Matthiſon, der ſich da⸗ mals in Göttingen aufhielt, ihn zu beſuchen kam. Bür⸗
ger war kaum der Sprache mächtig, und konnte auf des
Freundes beſorgte Fragen nach ſeinem Befinden nur leiſe und mit großer Anſtrengung antworten. Hände und Stirne bedeckte ein feuchter Schweiß. Matthiſon ſetzte ſich neben ihn und glaubte nicht lange mit der freudigen Bot⸗ ſchaft, die er ihm bringen wollte, zurückhalten zu dürfen.
„Wiſſen Sie auch, daß endlich aus Hannover glückliche
Nachrichten eingetroffen ſind? Heyne hat mir eben erzählt, daß die Regierung für's Erſte fünfzig Thaler Remuneration
geſchickt hat und eine baldige gewiſſe Anſtellung mit Beſol⸗
dung für Sie in Ausſicht geſtellt iſt.“ Buürger ſah ihn ruhig an.
„Fünfzig Thaler!“ ſagte er nach einer Pauſe lächelnd. „Das iſt viel Geld für Einen, der wenig hat. O, die
Herren in Hannover ſind doch nicht ſo ſchlimm! Zwar,
ſie haben mich ein wenig lange auf ihre Barmherzigkeit warten laſſen; aber das iſt jetzt Mode in Deutſchland und
hat auch ſein Gutes.“


