— 446— 14
Aber Spittler reuſſirte doch nicht, ſo eifrig er und an⸗ dere wackere Männer es ſich auch angelegen ſeyn ließen, dem bedrängten Dichter eine beſſere Lage zu verſchaffen. Der alte Gott lebte zwar noch, aber der Geheimerath von M., ein entſchiedener Widerſacher Bürger's, auch; und da ein kleines ſcharfes Epigramm dieſem vielvermögenden Mann noch immer nicht aus dem Gedächtniß kommen wollte und er ſich ſchlechterdings einbildete, es müſſe von Bürger herrühren, ſo mochte dieſer petitioniren, ſubmiſſeſt und allerſubmiſſeſt, ſo viel er wollte, es erfolgte kein Be⸗
ſcheid. Es verſteht ſich dabei faſt von ſelbſt, daß auch
die Fakultät ſich ſeiner nicht mit gehörigem Nachdruck an⸗ nahm, denn wie ſchon früher bemerkt wurde, der Hainbund lag den werthen Herren noch immer in den Gliedern, und Bürger hatte denn doch auch manchem der Herren Collegen früher all zu hart auf den Fuß getreten, als daß man ihm jetzt, wo's ihm ſo kümmerlich ging, aus purer Menſchen⸗ liebe hätte aufhelfen ſollen.
Damals ſchrieb Junghof ohne Wiſſen des Freundes an Göthe nach Weimar, und ſchilderte ihm die bedrängte ver⸗ zweifelte Lage des armen Bürger's.
Die Bruſtbeſchwerden des Kranken nahmen indeſſen immer mehr überhand, jene ſcheinbare Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit ſchlug ſtets beunruhigender in ihr trau⸗ riges Gegentheil um, und obwohl Bürger mehr als je die Hoffnung auf ſeine baldige völlige Geneſung im Auge hatte, obwohl ſein Lebensmuth immer freudiger wieder erwachte— die gefürchtete eiternde Lungenſchwindſucht ver⸗ rieth ſich von Tag zu Tag deutlicher, und jene Zuverſicht, mit der er, die Gefahr nicht ahnend, ſo ſicher in ſeine Zukunft blickte,— ſie ſollte die letzte Täuſchung ſeines Lebens werden.
2*


