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freundlich in mir ausbilden könnte. Laß— o laß mich keinen Augenblick in Ungewißheit, wenn Du beſtimmt weißt, daß es mit mir zu Ende geht. Ich möchte dem Tod mit recht klaren Augen in ſein tiefſinniges Handwerk ſchauen, ja, ich möchte vollſtändig bis zum letzten Moment des Be⸗ wußtſeyns erkennen, wie er's anfängt, daß ſo ganz und gar kein Sterblicher ihn verwinden kann. Ja, ich möchte ihn dichteriſch erleben, indem ich ſterbe; er ſoll mir ein Traum⸗ geſicht ſeyn— kein Nachtſtück. Ah, Matthiſon, noch auf meinem Sterbebett will ich Dir für Dein köſtliches„Ely⸗ ſium“ danken! Du ſollſt mir dafür das eine Auge zu⸗ drücken dürfen, und Du, Junghof, das andere.“
Seine blaßen Mienen rötheten ſich bei dieſer ihm ſo ent⸗ zückenden Vorſtellung; Junghof umarmte ihn und rief be⸗ wegt:
„O Bürger! Mein theurer Bürger! Ja, es ſoll meine theuerſte Pflicht ſeyn, Dich keinen Augenblick im Zweifel zu laſſen über die Nähe jener dunklen Macht, die zu be⸗ kämpfen mein Beruf iſt. Du lehrteſt mich das Leben, und wenn es Gottes Wille iſt, daß Du mir vorangehſt, ſo will ich auch von Dir das Sterben lernen. Aber für's erſte ſoorll doch Spittler beim Miniſterium anklopfen, und es muüßte ja in Hannover zugehen, wie bei dem lieben Herr⸗ gott, dem freilich Alles möglich iſt, wenn Du nicht endlich zu einigem Gehalt kämſt. Nein, es iſt nicht möglich, Spitt⸗ ler muß reuſſiren und Du kaufſt Dir dann ein Pferd!“ Blürger war ein leidenſchaftlicher Reiter, und die Vor⸗ ſtellung, wieder einmal durch die ſchöne Welt zu traben, hatte für ihn ſo vielen Reiz, daß er ſchnell alle trüben Todesgedanken fahren ließ, und ſich ſchon im Geiſte auf dem Pferde ſah. 3


