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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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wie der Genius in ihm langſam dem Körper voraus hin⸗ ſtarb.

Kurz vor der Trennung von ſeiner Gattin, erzählt ſein Biograph Althof,hatte er ſich durch Erkältung eine Heiſerkeit der Sprache zugezogen. Da er nun bei dieſer Heiſerkeit einige Wochen hindurch täglich und ſtündlich in der allerheftigſten Leidenſchaft und mit der größten An⸗ ſtrengung laut zu reden ſich bemühte, ſo hatten dieſe oft wiederholten Anſtrengungen der kranken und geſchwächten Stimm⸗Organe die Folge, daß er das Vermögen, laut zu reden, ganz verlor, und bis an ſeinen Tod heiſer blieb. Manche ſeiner auch auswärtigen Freunde, welche ihn in dieſer Zeit geſprochen haben, werden ſich noch mit Rüh⸗ rung der dumpfen, rauhen und widrigen Stimme des lieb⸗ lichen Sängers erinnern.

Junghof ſah mit dem Auge des erfahrenen Arztes mit ſtets wachſender Beſorgniß dieſe ängſtlichen Anzeigen, doch hütete er ſich wohl, gegen Bürger ein Bedenken zu äußern, da er nicht ahnte, wie viel Mühe dieſer ſelbſt ſich gab, den Freund über ſeinen Zuſtand zu täuſchen.

Einſt jedoch, als Bürger nach einer bedeutend ſcheinen⸗ den Leberkrankheit geneſen und zum Erſtenmal wieder an dem Arme des Freundes einen Spaziergang vor die Stadt wagen durfte, eben als ſie auf dem Hügel ſtanden, wo Molly ihm zum Letztenmal mit dem weißen Tuche gewinkt hatte, ſagte er, ſeltſam lächlend: 1

Es iſt etwas in mir, Junghof, was mich ahnen läßt, daß unſres Freundes Spittler Bemühungen in Hannover post festum, zu Deutſch, nach dem Thorſchluß kommen. Er will mir eine Beſoldung verſchaffen, daß ich, wie man ehr⸗ lich zu ſagen pflegt, nicht Hungers ſterben muß; alſo wohl geſättigt. Mir graut nicht vor dem Tode, und je