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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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wie zur Verſöhnung geleuchtet, und ihm wäre dann zum wenigſten der Troſt geworden, das, was ſein Geiſt ge⸗ ſchaffen, im guten Glauben an deſſen unbeſtreitbaren Werth, der Welt, die ihm ſo wenig Glück und Freude gegönnt hatte, zurückzulaſſen, wenn nicht gerade damals, wo ſo mancher edle Mann dem tiefgebeugten Dichter nahte und ihn zu ermuntern und außzurichten ſuchte, von einer Seite her, von der er es am Wenigſten erwartet hatte, ein Schlag gegen ihn geführt worden wäre, der ihn nothwendig auf das Härteſte treffen mußte. Selten iſt wohl ein großer Dichter mit einem nicht kleinen Dichter ſo erbarmungslos umgegangen, als Schiller in ſeiner bekannten Recenſion von Bürger's Gedichten, und wenn er auch ſelbſt ſagt:Jene Rüge konnte bloß einem wahren Dichtergenie gelten, das von der Natur reichlich ausgeſtattet war, aber verſäumt hatte, durch eigne Cultur jenes ſeltene Geſchenk auszubilden. Ein ſolches Individuum durfte und mußte man unter den höchſten Maßſtab der Kunſt ſtellen, weil es die Kraft in ſich hatte, demſelben, ſobald es ernſtlich wollte, genug zu thun, ſo mag zwar hierin für den Kri⸗ tiker und Aeſthetiker eine Rechtfertigung liegen, allein nicht für den Dichter, der immer edel handeln ſoll, am Aller⸗ meiſten aber gegen den Dichter, der, unter einem beſſeren Stern geboren, ihm vielleicht gut und gern als ebenbürti⸗ ger Geiſt die Hand hätte reichen dürfen. So ideal auch der Standpunkt iſt, von dem aus Schiller den Blitz nach Bürger's letztem Lebensglück ſchleuderte und ihm den ſo ſchwer errungenen Lorbeerkranz von der Stirne riß, ſo hat doch dieſe Kritik faſt eben ſo viele Mängel als Kritik, wie Bürger als Dichter, und vor Allem muß Schiller noch im⸗ mer die Frage beantworten, warum er ſo ſtreng wahre Fehler rügte, und ſo wenig wahre Vorzüge anerkannte.