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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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427 ſeiner Vergangenheit ſtimmende Weiſe noch einmal in die Urne ſeiner Looſe greift, dann müſſen wir uns ſagen, daß er allerdings ein Gefühl in uns verletzt, das wir ihm ſo lange ganz und ungetheilt zuwenden mochten.

Denn der Menſch ſoll nun einmal weiſe werden durch das Un⸗

glück, es ſoll etwas Beſtändiges ſeyn in jedem Menſchen⸗

leben, das die Geſchicke überdauert und dem, was dahin⸗ ter liegt an Erlebtem und Erduldetem, eine gewiſſe blei⸗ bende Garantie verteiht. Es kümmert uns bei dieſer Be⸗ trachtung nicht, unter welchen Bedingungen Bürger ſich plötzlich am ſpäten Mittag ſeines Lebens exinnerte, wie wenig Gunſt ihm die Himmliſchen bis dahin beſchieden hätten, und wie das, was wirklich als ein einziges unend⸗ liches Glück ihm zu Theil geworden, mehr wie eine ſchöne verklungene Mytbe, als wie ein geſchichtlicher Moment hinter ihm liege. Hätte er als Dichter die Weihe jenes Schmerzes feſtgehalten, hätte er, anſtatt den dunklen Pfad ſeines Geſchickes zu verlaſſen, jenen Schmerz als poetiſches Bewußtſeyn in ſich aufgenommen, er würde früher, als in ſeiner letzten Lebensſtunde, von jenem Wahn geneſen ſeyn, der in's Netz der Heuchelei ihn niederzog. Aber er war ſeinem Schickſal nicht gewachſen; es wurde für ihn zum Sinai, deſſen Donner ihn betäubte, ohne ihm zur Offen⸗ barung zu werden.

Wir wollen ihm auf halbem Weg entgegeneilen und finden ihn wenige Tage nach ſeiner Vermählung in Frank⸗

furt am Main, wo er auf ſeiner Reiſe nach Göttingen

zum Beſuche bei Eliſens Verwandten abgeſtiegen war, und, da die Ferien noch nicht zu Ende, einen oder zwei Tage verweilen wollte.

Es war Jedermann auffallend, daß Bürger an einer ſichtbaren Zerſtreuung laborirte und oft kaum zu wiſſen