Druckschrift 
Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
Einzelbild herunterladen

—-— 419— man ihm viel Schmeichelhaftes ſagte, was er abzulehnen

ſtrebte. 8

Es kamen während deſſen immer mehr Perſonen, die ihm von Herrn von C. vorgeſtellt wurden; man ſchien ſich eben ſehr angelegentlich um ſeine perſönliche Bekanntſchaft zu bemühen.

„Wer iſt der Herr?“ fragte Eliſe zitternd ihren Tänzer, und zeigke ihm den Fremden. Der Graf holte ſeine Lorg⸗ nette hervor, betrachtete ihn flüchtig und ſagte leichthin: „Er ſieht aus wie ein Gelehrter. Doch kenne ich ihn nicht.“

Die Bewegung ihres Inneren entging ihm jedoch völlig. In dieſem Augenblick wurde ganz in ihrer Nähe Bürger's Name genannt,— gleich darauf wieder und wieder, bald hier, bald dort. Kaum vermochte ſie ſich noch auf den Füßen zu erhalten, wie von ungefähr kam jetzt eben ihre Mutter und winkte ihr, ſie ſtotterte etwas von Unwohlſeyn, bat den Grafen um Entſchuldigung und trat aus der Reihe der Tanzenden.

„Um Gotteswillen, Mutter, iſt er's wirklich?“ flüſterte ſie, als ſie an ihrem Arme hing und in ein anſtoßendes Gemach ſchritt.

„Mädchen! Tolles Mädchen, Du biſt ja ganz außer Dir!“ ſagte Jene leiſe.„Komme doch nur zu Dir und zittere mir nicht in einem fort wie Espenlaub.“

Sie ſetzten ſich auf eine Ruhebank in einer Niſche, Eliſe wußte ſich kaum zu faſſen, ſo ſehr hatte die unerwartete Erſcheinung des angebeteten Bürger's ihre Nerven erſchüt⸗ tert. Frau Hahn, welche um ihren Zuſtand beſorgt wurde, ging, ein Glas Waſſer zu holen, in den Saal zuruck, wo

eben die Muſik zu Ende war.— 27*

—

8