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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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Eliſe hatte endlich den Bitten und Vorſtellungen ihrer Mutter und mehrer ihrer nächſten Freundinnen Gehör ge⸗ geben, und gegen Ende des Winters wohnte ſie einem glänzenden Balle bei, der Alles, was in Stuttgart auf Rang, Anſehen und Reichthum Anſpruch machen konnte, vereinigte. Ihre Erſcheinung, gehoben durch einen ebenſo gewählten als reichen Ballanzug, erregte allgemeine Auf⸗ merkſamkeit, und ein Strom von Huldigungen und Schmei⸗ cheleien umfluthete die ſchönſte Evatochter, welche je die allgemeine Stimme als Ballkönigin bezeichnet hat. Ein Schwarm von jungen Herren umlagerte ſie beſtändig, und Jeder bot den ganzen Fonds ſeiner Liebenswürdigkeit und Galanterie auf, um einen freundlichen Blick dieſer feuri⸗ gen Augen, ein bedeutungsvolles Wort, vielleicht von ei⸗ nem leiſen Händedruck begleitet, zu erhaſchen, und damit die Palme des Siegers hinzunehmen. In der That war aber auch ihre heutige Erſcheinung geeignet, alle Männer⸗ herzen in Feuer und Flammen zu verſetzen, und ſelbſt der Neid ihres Geſchlechtes mußte es ihr laſſen, daß man nichts Lieblicheres und Bezaubernderes ſehen konnte. Hierzu ka⸗ men denn noch die mancherlei Gerüchte von ihrem wunder⸗ lichen romantiſchen Verhältniß zu dem Dichter Bürger, die das Intereſſe der Geſellſchaft noch an ihr erhöhten; ja, man bezeichnete ſie ſchon als deſſen erklärte Braut, und wollte ſogar wiſſen, daß Bürger ſich bereits heimlich in Stuttgart aufhalte und ſich förmlich mit ihr verlobt habe.

Dem ſey nun, wie ihm wolle, ſie kam an dieſem Abend lange nicht aus dem Triumphe heraus, bis es zu⸗ letzt dem jungen, ſchönen Graf v. H. gelang, die übrigen Nebenbuhler ſiegreich aus dem Felde zu ſchlagen und ſelbſt Eliſens Entſchluß, nicht zu tanzen, wankend zu machen. Er führte ſie in die Colonne und ſcherzte dabei aunf ſehr feine

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