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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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mit mir zu Stande,“ ſo mag dieſes innige Bedürfniß nach Liebe und Geliebtſeyn ihn wenigſtens über den ihm ſo oft gemachten Vorwurf erheben, daß er im bloßen dumpfen Taumel der Sinnlichkeit einen Schritt gethan, deſſen Folgen außer ſeiner Berechnung lagen. 1

Aber wie ehrlich Bürger, freilich weniger gegen ſich ſelbſt, als gegen Eliſe hierbei zu Werke ging, beweiſt derſelbe merkwürdige Brief, den er bald nach Empfang des mit ſo heißer Sehnſucht erwarteten Porträts unter der Auf⸗ ſchrift:„Beichte eines Mannes, der ein edles Mädchen nicht hintergehen will,“ an Eliſe abgehen ließ, und worin er ſich, wie im deutlichen Vorgefühl deſſen, was kommen ſollte, dem Geſchicke gegenüber mit jenem goldnen Schild waff⸗ nete, der noch keinen Kämpfer verlaſſen hat, mit dem gold⸗ nen Schilde der Wahrheit und des reinſten Bewußtſeyns. Er ſchildert ſich ihr darin mit einer Verleugnung ſeiner ſelbſt, und zugleich mit einer Gewiſſenhaftigkeit, daß ſelbſt ſeine Freunde über manches Bekenntniß den Kopf ſchüttel⸗ ten und meinten, er habe ſich zu viel gethan. U. A. heißt es darin:

... Ungewitter und Stürme des Lebens haben hart in meinen Blüthen, Blättern und Zweigen gewüthet. O, ich bin nicht derjenige, der ich vielleicht der Naturanlage nach ſeyn könnte, und auch wohl wirklich wäre, wenn mir im Frühlinge meines Lebens ein milderer Himmel gelächelt hätte. Durch viele und langwierige Widerwärtigkeiten bin ich an Leib und Seele ſo verſtimmt worden, daß ich oft in eine trübe melancholiſche Laune, und dabei in eine Ohn⸗ macht des Geiſtes verſinke, die mich gewiß nicht empfehlen kann. Denn ich verliere alsdann allen Muth, alles Ver⸗ trauen auf mich ſelbſt, und halte mich für kopfleer, für