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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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Vorgefühl eines allerletzten und allerhärteſten Ungewitters aufdämmerte; wenn es ihm auch ſogar einmal, da er lange träumeriſch und von wunderlichen Gefühlen ergriffen, vor einem wallenden Waizenfeld ſtand, auf dem der allerhellſte Son⸗ nenſchein lagerte, als plötzlich ein Wolkenſchatten darüber hinflog, wenn es ihm da auch vorkam, als winkte jede Kornähre ihm die Warnung zu: Knüpfe kein Eheband mit dem poetiſchen Mädchen aus Schwaben, ſo waren dies eben nur Wolkenſchatten, die ſein immer lebendiger erwa⸗ chender Muth bald wieder zerſtreute und die Hoffnung nur um ſo heiterer zurückführte.

Es lag eine ſo dämoniſche Kraft in dieſem Gefühl ſei⸗ ner Liebe, in dieſer Sehnſucht nach einem Weſen, welches ſo lange bloß Gebild ſeiner Fantaſie geweſen war, daß er, ſtatt dem erſten Eindrucke zu folgen, den Eliſen's Porträt auf ihn ausgeübt hatte, lieber das Bild, welches ſich ſeine Fantaſie, noch von Molly's holdem Liebreiz trunken, von der Unbekannten entworfen hatte, aufgab, und das des Malers und der Wirklichkeit an die Stelle jenes geträum⸗ ten und verlaſſenen Ideals ſetzte. 4

Und auch hier iſt es wieder das Dichterherz, mit dem wir rechten müſſen, wollen wir ihm aus dieſer Kleingläu⸗ bigkeit und dieſem Unbeſtand einen Vorwurf machen; das Dichterherz, wie es gegen das Leben ankämpft, aller hohen, heiligen Sehnſucht voll über das Leben ſich erhebt, und doch immer wieder zu ihm zurückkehrt.

Auch hadert mir nicht mit dem Armen, der im Ver⸗ ſinken nach einem Strohhalmen greift, und ſich daran zu halten ſtrebt. Keine Rettung aus dem nahen Verderben glaubt ſich leichter, als die nächſte, und wenn Bürger in einem Brief an Eliſe ſchreibt:„Liebe, aber ungemeine Liebe brächte vielleicht jetzt noch eine volle Wiedergeburt