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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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über träumte, ganz ſo, wie der ſchwärmeriſche Hardenberg erzählte, daß er oft ſtundenlang über einer blauen Blume ſitzen und in deren ſchlummernde Seele ſich verſenken konnte.

Als er endlich eingeſchlafen war— das Porträt vor ſich auf der Bettdecke, damit es ihm beim Erwachen ſo⸗ gleich in die Augen fallen möge, belehrte ihn ein anderer Traum, wo er dieſes Bild ſchon einmal geſehen hatte und beſtändig hallte es in ſeiner Seele:

„Der Mond der ſcheint ſo helle,

Die Todten reiten ſo ſchnelle, Feinsliebchen, graut dir nicht?“

„Lenore!“ rief er und erwachte. Die Sonne lag breit

auf der Bettdecke und mit trunkenen Augen ſah ihn das

Bild an. Bürger küßte es vollends wach.

Von jetzt an gab es für ſeine Sehnſucht keinen Halt und keinen Aufenthalt mehr, und mit einer Sicherheit und Beſonnenheit des Gefühles, die ſich nur ſchwer mit dem ſeltſamen Verhältniß verbinden läßt, in das er allmählig auf ſo geheimnißvolle als unbegreifliche Weiſe hineinge⸗ rathen war, daß kaum zu entſcheiden iſt, ob mehr eigner Wille und eignes Bedürfniß, oder nur der bloße blinde Zufall es herbeigeführt hatten, fing er an, den Beſitz Eli⸗ ſens, es koſte auch ſeines Lebens letzte Hoffnung, zu wün⸗ ſchen und zu erſtreben. Er krankte in Wahrheit an einer Sehnſucht, die ihn oft wie eine unbezwingliche Macht er⸗ faßte und ihn immer unaufhaltſamer der Entſcheidung ent⸗ gegenführte. Wo er ging und ſtand, begleitete ihn das Bild des unbekannten Mädchens, und wenn es auch manch⸗ mal tief in dem Hintergrund ſeiner Seele wie das dunkle

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