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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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träts von ſeines Daſeyns Anbeginn an bekannt geweſen und von ihm geliebt worden, als hätte er's ſeitdem überall geſucht und erſt jetzo gefunden. Er mußte den Brief bei Seite legen; denn je länger er das Bild anſah, um ſo räthſelhafter ward ihm der fatale Zauber, den es zuerſt auf ihn ausgeübt hatte; er begriff gar nicht, was ihn vor⸗ hin davon abgeſtoßen hatte? Waren es Molly's blonde Locken oder der verklärte, ſanfte Blick ihrer tiefblauen Au⸗ gen, was er an Eliſen vermißte? Er erinnerte ſich der Vorſtellung, die er ſich ſeither von dem Schwabenmädchen gemacht, und allerdings hatte ihn der Maler hier eines Andern belehrt. Sein Bild und das der dichteriſchen Fan⸗ taſie waren ſo himmelweit von einander verſchieden, daß auch nicht ein Zug übereinſtimmte, und je mehr ſich Bür⸗ ger hier auf einer großen Täuſchung ertappte, um ſo deut⸗ licher glaubte er darin die Urſache der Befangenheit zu entdecken, in der ihm Anfangs Eliſens Porträt ſo wenig hatte gefallen wollen.

Endlich las er den Brief zu Ende, und wie ihm dieſer vorhin den Commentar zu dem Bilde geliefert hatte, ſo ſah es ihn nun aus jedem Wort mit den feurigen, ſchwär⸗ meriſchen Augen des Bildes an, und er war bald feſt überzeugt, daß, wenn anders der Maler nicht himmelweit an dem Ziele vorbeigeſchoſſen, er nun das Mädchen völlig, wie es in der Natur lebte, im Geiſt aufgefaßt hätte.

„Aber die kohlſchwarzen Locken, wenn ſie wirklich ſo kohlſchwarz ſind, als das Bild vermuthen läßt, müſſen doch ein klein wenig gepudert werden,“ ſagte er ſich lächelnd und betrachtete mit immer größerem Wohlgefallen„die kleine, ſchwarze Hexe.“

Es war ſo viel Wahrheit in dieſen Zügen, ſo viel pro⸗ phetiſcher Glanz in dieſen Augen, daß er noch lange dar⸗

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