— 66— Schmerzes, der uns wie mit den dunklen Augen der Ewig⸗ keit anſchaut und dem Geiſte, der ihn leidet, der Seele, die ihn erträgt, zugleich Offenbarung wird und Verklärung, den Schmerz der Liebe und der Schönheit.— Aber freilich iſt eine lange Zeit vorüber, ſeit wir ſie zum letztenmal geſe⸗
hen haben, und Manches mag ſich während deſſen anders
geſtaltet haben. Wir verließen ſie an dem Altar von
Niedeck, nahmen ſo wenig Abſchied von ihr, als Bürger,
da er mit Dora nach Wölmershauſen fuhr, und müſſen deßhalb erzählen, wie es geſchah, daß der Tod ihres Va⸗ ters, nachdem der erſte Schmerz, der erſte Schrecken über dieſen unerwarteten Verluſt beſiegt war, Molly zu einer Kraft und einem Bewußtſeyn erſtarken machte, das kein zweiter Schlag des Schickſals je wieder ſo ſchwer und un⸗ erträglich niederbeugen ſollte.
Wir glauben nicht, obwohl es ſeiner Zeit Mancher glaubte, der es beſſer wiſſen konnte, als wir, die wir nur wieder dichten, was Andere erlebt, geſehen und gehört ha⸗ ben wollen, wir glauben nicht, daß Molly, als ſie die Hochzeitsweſte für den Schwager ſtickte, dieſe anmuthige Idylle mit den langen Schößen und den bunten Blumen⸗ guirlanden, in ihrem Viſionseifer mehr als falſchgewählte ſeidene Fäden in den Atlas genäht habe; wir glauben auch nicht, daß ſie ſich dadurch ihre mühevolle Arbeit habe verſüßen wollen, und indem ſie an ihrem Stickrahmen die ganze Zukunft Bürger's durchlebte, ihre Freude am Auftrennen und Beſſermachen gehabt habe. Molly war damals noch zu viel kindliche, reine Natur, als daß ihr die bevorſte⸗ hende Heirath Bürger's und Dorg's anders, denn ſachge⸗ mäß erſchienen wäre und ſie zu gegentheiligen Betrachtun⸗ gen angeregt hätte. Man will zwar an dem ſonſt heite⸗ ren, lebhaft erregten Kind, je näher der Tag der Hochzeit
9
—x


