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Nicht Alles war ſo gekommen, wie Bürger's Ungeduld es anticipirt hatte, und wenn auch Molly ſogleich nach der Beerdigung des Vaters mit Schweſter, Schwager und dem Buchonkel nach Wölmershauſen abreiſte, ſo konnte es doch Niemand, am allerwenigſten dem ſcharfen Auge der Liebe verborgen bleiben, daß in dem Mädchen eine große Veränderung vorgegangen war.*
Der Tod des Vaters war der erſte reelle Schmerz ihres Lebens geweſen, und trat in ſo überraſchender, ſchreckhafter Geſtalt vor ihre Augen, regte ihre Einbildungskraft ſo mächtig auf, griff ſo erſchütternd in das tiefſte Leben ihres weichen, innigen Gemüthes, daß auf all' dieſe Angſt, Er⸗ ſchütterung und Trauer ein Zuſtand gänzlicher Erſchöpfung folgen mußte, dem ihr ſenſibeles Weſen,— zum erſtenmal ſo rauh von des Schickſals Hand berührt, keinen Wider⸗
ſtand entgegen ſetzen konnte. Molly war nicht im Stande,
Leiden und Prüfungen zu ertragen, die eine unbedingte Reſignation wollen; ſie hätte mit Freuden ihr Leben dahin gegeben, um das einer geliebten Perſon zu erhalten, um
aus dem ſchönen, glücklichen Traum ihres Daſeyns ohne
Reue und Täuſchung zu ſcheiden; aber ſich wie Dora in das Unabwendbare fügen und in frommer Ergebung dulden und tragen, was der Himmel auferlegt, das konnte ſie nicht. Es fehlte ihr nicht an einem frommen Sinn; aber heiter und unumwölkt ſollte der Himmel lächeln, dem ſie ihre Gebete zuwandte; ſie mußte glücklich ſeyn, glück⸗ lich und harmlos, wenn ſich ihr Herz, wie bedrängt von dem, was es entzückte und bewegte, in das Aſyl der An⸗ dacht flüchten ſollte, da es ihr hingegen unmöglich war, in einem Unglück, einem Leiden jene erhabene Stimmung der Seele zu bewahren, die ihr den Troſt der Religion zugänglich machte. Noch kannte ſie nicht die Weihe jenes


