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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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„Ich meine nur, ob's hier herum nicht richtig iſt?“ verſetzte Hahn, nach dem Ofen deutend. Es iſt ſchändlich — es iſt niederträchtig, einen guten Chriſten in ſolch' un⸗ heimliches Loch zu ſperren, und ihm nicht einmal eine Bibel zu geben! Ach holen Sie mir doch eine Bibel, guter Herr Meh fink, oder ſonſt ein frommes Buch. Ich habe. lange nicht einen ſo lebhaften Drang in mir verſpürt, mich an das höchſte Weſen zu adreſſiren, als in dieſer ſchauerlichen Stunde. Ja, ja es gibt Stunden, wo die Hölle ihre Schrecken los läßt, um uns den Weg zum Heile zu zeigen.

„3 du meine Güte! ſo ſagen Sie doch!“

„Sagen? Wer kann ſagen?“ deklamirte Hahn mit feier⸗ lichem Pathos, und dur chſchritt, wie auf einem Kothurn das Carcer.„Dort“(auf die Priteche deutend)„ſchlief ich in der Maienblüthe mein er Sünden und träumte von keiner Reue, keiner Beſſerung. Lotterſtreiche waren meine Gedanken und ſelbſt im Tra ume that ich Böſes! Da plötzlich, wie das Donnern des Sinai weckte mich ein

Krachen, als wäre mir im Schlaf ein Backenzahn ausge⸗

zogen worden. Ich erwachte und,— wie die Marmor⸗ kiefern des Grabes, ſprang dort neben dem Ofen die Wand auseinander und eine rieſengroße Geſtalt, von der ich noch nicht begreife, wie ſie aufrecht in dieſem Gemach ſtehen konnte, trat aus Flammen und Qualm hervor, ſtreckte zwei Arme aus, ſo lang, als wollte ſie die Erde an beiden Polen packen und ſie mit all ihren Sünden und Peſtbeulen in den Tartarus ſchleudern.„Ich bin da!“ rief der Schreckliche, und faßte mich ſo derb, daß mir alle Rippen krachten, die ausgenommen, aus welcher meine zukünftige Frau formirt iſt. Sie können ſich denken, beſter Herr Mehlfink, wie mir da zu Muth war. Ich ſchrie